18.05.2017 – Heute mal mit Senf

Nach 2 Tagen stressfrei bummeln durch die überschaubare Altstadt von Santiago de Compostela, wo sich zu den etwa 96.000 Einwohnern nicht nur Pilger sondern auch noch ca 46.000 Studenten tummeln. Eine tolle Atmosphäre, die sich gut ergänzt. Essens- und Übernachtungspreise sind moderat, die Bausubstanz besser erhalten als in Portugal; aber es ist eine fruchtbare Gegend: aus allen Mauerritzen an Gebäuden, Dächern, Treppenstufen usw wachsen Blumen!!!!!

Ein Highlight war der heutige Marktbesuch. In den Hallen sehr gepflegte reichhaltige Stände mit Fleisch, Fisch, Käse u.ä.
(Besonders ging mir als „Vegetarier“ das Herz auf).
Nach der Enttäuschung in Porto war es eine Augenweide. Draußen vor den Hallen befanden sich noch alte Bäuerinnen, die ihre eigenen Produkte anboten, teils in Schubkarren, es wirkte äußerst autentisch. Ansonsten darf mein Reinhard wieder mit mir in die Kirchen und neue Energie tanken, wobei die Kirchen sich doch stark wiederholen. Heute , am Donnerstag, füllt sich die Stadt mit vielen Pilgern (Wanderer u. Radfahrer), die morgen um 12.00h an der legendären Pilgermesse mit Weihrauchschwengel teilnehmen wollen. Ich hoffe, wir ergattern noch ein Plätzchen und können die gesamte Messe mit Weihrauch bis zum Ende verfolgen.
Zeit für  ein paar subjektive Eindrücke – mit und ohne Senf -!!!
1. Die IKEA-Kultur hat die Iberische Halbinsel voll erfaßt. Jeder auch nur etwas größere Ort weist seinen eigenen Markt am Stadtrand auf. Folglich sind auch die Ferienwohnungen IKEA-Vollausstattung, von der Lampe über Besteck bis hin zur gießfreien Blume. Alles wohlbekannt.
2. Die Pilgerkultur scheint sich seit dem Mittelalter nicht groß verändert zu haben: Wein, Weib, Tanz und Gesang sind nach wie vor hoch im Kurs; als wir nämlich bei der Anreise kurz vor Santiago waren, reihte sich ein Nachtclub an den nächsten, das waren wir aus dem katholischen Spanien/Portugal bisher nicht gewohnt. Naja, – wenn man nachher sowieso den Ablaß erhält, kann man vorher noch mal richtig …..
3. Die Öffnungszeiten für Kneipen und Geschäfte, sollte es sie überhaupt geben, erschließen sich uns Mitteleuropäern nur schwer. Daß es so gut wie keine Öffnungszeiten an den Türen gibt, hat seinen Grund. Die Aussagen wie „Die Küche hat schon geschossen“ oder „Der Chef entscheidet, wann wir schließen“ klingen sehr willkürlich. Am 2. oder 3. Tag entdeckt man plötzlich auf altbekannten Wegen völlig neue Geschäfte, die vorher noch nie ihre Rolläden geöffnet hatten. Also auf keinen Fall sollte man versuchen, ein bekanntes Geschäft oder eine Kneipe erneut aufzusuchen, denn es könnte sein, dass es schon geschlossen ist – oder noch gar nicht auf hat – oder heute überhaupt nicht öffnet! 🙁  Also lieber spontan entscheiden: sieht gut aus, geh ich rein!!! Der Rest könnte zu einer Enttäuschung führen.
Ach ja, und da war dann noch die Sache mit den Ohrstöpseln….. (Konnten wir uns doch noch an Riga erinnern, wo gegenüber des Hotels ein Heavymetal Club war, der bis 6.00h morgens laute Musik verbreitete, deshalb gab es Ohrenstöpsel). Aber doch hier nicht????  

Der Nachschub ist gesichert…aus dem Fenster winkt die BAS

Doch!!!   Genau unter unseren Fenstern erwachten gegen 23.00h mal 1, mal 4 Musikkneipen, wo die Gäste draußen bis 1.00h an Tischen und Stühlen plauderten, danach war Polizeistunde (d.h. Alles wurde weggeräumt) aber die Unterhaltungen und die Musik ging weiter bis  ca 3.00h. Naja, wer tagsüber viel unterwegs ist, der kann auch dabei schlafen, mit oder ohne Ohrstöpsel.
Das mit den launigen Öffnungszeiten hat sich bisher auf der ganzen Tour durchgezogen, ob Andalusien, Portugal oder jetzt hier. Ist wohl dem Südeuropäer in die Wiege gelegt. Und wir diskutieren über 2 oder 3 offene Sonntage im Jahr!? Mit etwas mehr Leichtigkeit im Gemüt regelt sich alles von selbst….
4. Zu unseren ausgeprägten Spanisch- und Portugiesischkenntnissen gesellt sich jetzt noch Galizisch hinzu. (Demnächst noch Baskisch). Da freuen wir uns besonders an der uns lieb gewordenen Tapasbar über unsere Translater-App im Handy. Wir sind schon ein eingespieltes Dreigestirn: Christel liest in der Karte, Reinhard tippt ein, Handy übersetzt. 🙂 Solange wir kein „Weißes Pferd“ bestellen..(siehe Sevilla) . Aber selbst das würde hier vermutlich schmecken – und das Preis-Leistungsverhältnis ist optimal. Man kann viele verschiedene Kleinigkeiten nacheinander essen bis man satt ist, was will das Herz mehr???
5. Erwähnenswert finde ich außerdem – und das bezieht sich auf Spanien genauso wie auf Portugal – mit welchem Patriotismus und Stolz die Einwohner ihr Land, ihre Kultur und ihre Eigentümlichkeiten vertreten und auch darbieten, ich denke da an Flamenco, Stierkampf, Fado oder Demonstrationen für den Erhalt der Galizischen Sprache. Uns fehlt da oft die notwendige Lockerheit.

 

17.05.2017 – Santiago di Compostela

Kurze Info:
Durch Anklicken der Bilder erscheinen diese in größerem Format, nach einer WordPress Umstellung habe ich den „Knopf“ gefunden…..
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Nach einem leckeren Frühstück und einer Maschine Wäsche (dunkel)
gings in die Stadt, erst mal schauen, wo wir denn sind. Denn nach dem gestrigen Tag mit den unendlich vielen Eindrücken wollten wir uns erstmal selbst finden.

Das erste Ziel war die Markthalle, und was war, geschlossen. Kann doch nicht sein, an einem normalen Werktag? Schon wieder eine Enttäuschung nach dem Markt in Porto? An einer Touri-Info wurden wir dann aufgeklärt, dass heute ein galizischer Feiertag sei. Und deshalb sei der Markt geschlossen. Aha, das erklärte auch später den sehr langen Demo-Zug für die „Erhaltug der galizischen Kultur und Sprache“ durch die Stadt.

Gut dass wir gestern nicht in diesem Rummel gelandet sind. Warum seht  ihr in den folgenden Bildern, die meine gestrigen Skrupel bezüglich der Anfahrt zu unserem Appartment visualieren sollen

Beginnend mit der Einfahrt in die Altstadt:
(Zur Info, meine BAS nimmt den Part der NT ein, natürlich viel symphatischer 🙂 )
Mal ehrlich, wäre jemand von euch auf die Idee gekommen hier hinein zu fahren?
Und weiter nach links und das bei ähnlichen Menschenmassen…

und weiter gings…durch diese schmale Gasse muss er fahren….... und am Ende fährt man auf den Vorplatz des Seiteneinganges der Kathedrale….Fragen über Fragen, ob das denn richtig sei…
Aber meine NT wies den Weg…
...über den Platz und dann nach rechts…siehe NT im Hintergrund 🙂
 …und am Ende dieser Gasse links, und dann standen wir vor unserem Appartment, geschafft…..👍👏😇
Und ich hab jetzt den 😇  für Gottvertrauen!!!

16.05.2017 -Fahrt nach Santiago di Compostela

Wir sind heute zeitig weg aus Porto und machten uns auf den Weg nach Santiago di Compostela.
Compostela dürfte wohl allen bekannt sein dank Hape Kerkeling´s Buch „Ich bin dann mal weg“, der allerdings einen großen Teil des Jakobus-Pilgerweges zu Fuß zurückgelegt hatte, wir fuhren halt mit dem Motorrad ( Er von Osten, wir von Süden).

Egal, wir sind zeitig los, bei sehr moderaten Temperaturen von 25`, ideal für einen Super-Motorrad-Tag. Und wir sind ganz tolle Strecken gefahren, eine herrliche Landschaft, wie man es sich als Motorradfahrer wünscht.
Man mag es nicht glauben, aber nachdem wir die Grenze Portugal-Spanien passiert hatten, änderte sich das gesamte Erscheinungsbild, sowohl was die Natur betraf als auch die Dörfer, durch die wir gefahren sind. Alles irgendwie aufgeräumter und nicht vor sich hinrottend.
Bis wir nach Compostela kamen gab es die üblichen Staus wegen der als „Speed Bumper“ ausgebauten Zebrastreifen und den zur Seuche werdenden Kreisverkehren. Egal wo man ist, es muss in jedem kleinen Ort mindestens einen Kreisverkehr geben, und das Verhalten der Autofahrer ähnelt denen in Sevilla.
Dazu mal wieder ein Zitat aus unserem Reiseführer:
„…regiert auf Spaniens Straßen oft noch Rücksichtslosigkeit…ob bei Überholmanövern und Kurvenschneiden, dem Nicht-anhalten bei Zebrastreifen, dem Anfahren bei Rot an der Ampel….unfallträchtig ist der Kreisverkehr. Hier kommt es oft vor, dass Fahrer aus der Innenkurve ohne Blinker in die nächste Ausfahrt ausscheren..“
Aber all das haben wir gut überstanden, habe meine Fahrweise ein bisschen angepasst (im Kreisverkehr). 🙂
Wir sind bis Compostela einer ausgewiesenen Route des „Jakobwegs“ gefolgt, unterwegs haben wir etliche Pilger gesehen, die dieser irgendwie faden Bundesstrasse gefogt sind. Ist als Wanderer nicht so wirklich schön, oder?
Unser Appartment lag wie immer in der Altstadt, und durch Kommunikation mit unser Vermieterin war mir bekannt, dass wir uns nur 15 min. mit dem Motorrad in der Altstadt bewegen durften, also Zeit zum Auspacken war, danach muss das Motorrad auf einen externen Parkplatz oder Parkhaus.

Compostela sieht in den Randbezirken aus wie eine normale Stadt, viel Verkehr, Stop-and-Go, bis mich die NT anwies, ich solle in eine Strasse, die nach meinem Gefühl in einer Fußgägerzone lag, mit „Durchfahrtverbotsschild“, vielen Leuten, und da soll rein???
Erstmal vorbei, und die NT kam sofort mit dem Hinweis „Bitte wenden..“, hab ich gemacht, unter Missachtung aller Regeln, passiert.
Und dann sind wir mitten durch eine für uns gefühlte „Fußgängerzone“, es war sehr komisch, aber es gab keine dummen Kommentare von den Fußgängern. Die NT führte uns weiter fast an der Kathedrale vorbei, (kann doch nicht sein, dass man hier mit einem KFZ entlang darf..), und kurz danach waren wir dann an der Zieladresse, irgendwie geschafft.
Schnell die Wohnung bezogen, ein tolles Appartment, mit alllem was man braucht, sagt die BAS.
Und ich dann zum Parkhaus, welches ca. 800m entfernt lag. Wieder durch die kleinen Fußgänger-Gässchen, aber nicht mehr diese Skrupel wie bei der Anfahrt. Neben mir waren auch andere KFZ unterwegs, also alles gut.
Und in der Nähe unseres Wohnortes gibt es einen Supermarkt, und nach kurzer Erholung alles eingekauft, was man für ein gutes Frühstück braucht.

Unser erster Weg führte uns auf den Platz vor der Kathedrale, musste sein, ich hatte schon viele Bilder dieser Kathedrale gesehen, und ich wollte das einmal in „Natura“ sehen. (So ähnlich wie den Radjistan in „Samarkand“, Usbekistan). Die Kathedrale steht über der Grabesstätte, die dem Apostel Jaobus zugeschrieben wird, und ist das Ziel aller Pilgerfahrten.
Aber welche Enttäuschung, alles eingerüstet, ein blödes Bild. Und ich stelle mir all diese „Zu-Fuss-Pilger“ vor, da läufst du wie ein Doofer, nur um dieses Ziel zu erreichen, und dann dieser Anblick, muss schlimm sein.

Durch einen Seiteneingang kamen wir in die Kathedrale, und ab da war ich wie geflasht…
Die Kathedrale als Bauwerk, schlicht romanisch, der Altar im feinsten Barock, es wirkte nicht protzig, (eine Bauweise, die mir besser gefiel als die Prunkbauten auf dem Tripp bisher) bezogen auf den Punkt zu Gott, hier dargestellt als der Apostel Jakobus, dem die Kirche gewidmet ist.

Der „Batufomeiro“ in Aktion

Ein Anblick, der mich echt erschauern liess, ich kann und will es auch nicht beschreiben..
Und entgegen aller vorherigen Infos im Internet wurde zum Schluss der Messe der „Botafumeiro“ geschwungen. Dies ist ein Weihrauchkessel, ca. 1,60m hoch und 54kg schwer,  wird von 7 Leuten bedient und die bringen den Kessel  zum Schwingen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70km/h.  Da musste ich doch schwer durchatmen, dass mein Wunsch, dieses life zu sehen, sich so plötzlich erfüllte…

03.05.2017 – Geburtstag in Sevilla

Wie die BAS schon geschrieben hatte, durfte ich mir heute aussuchen, wie der Tag ablaufen sollte.
Nach einem guten Frühstück und einem Kaffee (von der BAS extra gebracht) auf dem Sonnendach unseres Hotels ging es los.

Als Ziel habe ich mir die Besichtigung des „Reales Alcázares de Sevila“, des Königspalastes, ausgesucht. Die Wartezeit bis zum Eingang betrug nur knappe 30 min., aber Geduld ist ja mein 2. Vorname. Mittlerweile stiegen die Temperaturen auf knappe 27′ an, doch etwas warm. Übrigens, Sevilla gilt als der heisseste Ort in Spanien, im Sommer sind Temperaturen von bis zu 45′ keine Seltenheit.
Ein Teil des Königspalastes ist auch heute noch die Residenz des spanischen Königs in Sevilla. Leider war eine Besichtung dieser Räume nicht mehr möglich, wegen Überfüllung geschlossen, Pech gehabt.
Glück dagegen war, dass wir wieder einen Audioguide mieten konnten, und dann noch das gleiche Modell wie in der Kathedrale. Mir schwante Arges, denn die Handhabung bereitete meiner BAS erhebliche Schwierigkeiten. Aber die nette Dame am Servicedesk erklärte uns die Handhabung, man musste nach dem Eintippen sofort die Play-Taste drücken, dann funktionierts wie es soll, also nicht lange in der Gegend rumgucken. Und meine BAS kam superklar! Man muss es nur richtig erklären 🙂
Der Alcazar wurde ursprünglich im Jahre 913 von maurischen Herrschern erbaut und wurde nach der Rückeroberung von spanischen Königen im Mudé-jar-Stil mehrfach erweitert. Der Mudé-jar-Stil besteht aus Elementen der Gotik, der Renaissance und der islamischen Kunst (habe ich abgeschrieben…..). zusammen mit den Gärten eine prächtige Anlage. Innerhalb des Palastes war es sehr gut auszuhalten, von den Temperaturen her, ein herrlicher Anblick der reich verzierten Räume, toll.

Wenn man denn aufgrund der vielen Leute, die unbedingt immer vor einer Sehenswürdigkeit mit aufs Bild mussten und des immer mehr verbreiteten Selfie-Wahns, Gelegenheit hatte, sich etwas in Muße anzuschauen.

Egal, es war wunderschön in diesem Palast. Die Gärten waren aufgrund der noch immer steigenden Hitze nicht ganz so prickelnd, aber das war keine Schuld der prächtigen Gärten. Uns beiden gefiel dieser Königspalast besser als die Alhambra, sehr schön restauriert mit prachtvollen Farben.
Nach 3 Stunden Besichtigung war man doch ganz schön geschlaucht, vor allem wenn man bedenkt, dass wir über 2 Wochen jeden Tag auf Achse stundenlang auf Achse waren.
Da wurde die Vorfreude auf ruhige Tage in Portugal immer größer… 🙂

Fazit Sevilla:
Eine schöne Stadt, die man sich allerdings erarbeiten muss. Und dafür muss man sich halt Zeit nehmen, und die haben wir ja.

Eines der vielen alten Geschäfte, die hauptsächlich Fächer verkaufen, klar, bei den Temperaturen

Noch ein Wort zum Strassenverkehr:
Im Großen und Ganzen kann man sich gut in Sevilla bewegen, wenn man das Wort Spurtreue und Abbiegeverhalten aus dem Vokabular streicht. Da herrscht doch ein ziemliches Gewusel, wenn man mitmacht, kommt man ganz gut durch.
Allerdings ist das Verhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmer im mehrspruigen Kreisverkehr unergründlich, da wird aus der 4. Spur direkt nach rechts vorbeigeschossen, ohne darauf zu achten, ob andere Fahrer evtl.   noch weiter zu einer anderen Ausfahrt wollen, denn bei Kreisverkehren gibt es immer mehrere Ausfahrtstellen. Es schossen Auto links aus der 4. Spur vorbei, schnitten meinen Fahrweg, und da haben wir 2mal richtig Glück gehabt. Freunde der Nacht, das war echt knapp. Erst jetzte teilte mir die BAS mit, daß unser Reiseführer vom Fahren mit eigenem PKW dringend abrät. Und jetzt weiss ich auch warum.
Weil Geburtstag ist, mal ohne Senf!!!

03.05.2017 – Sevilla

Gestern haben wir einen Motorradtripp nach Ronda gemacht, hatten wir ja schon von Malaga aus geplant, fiel leider dem Wetter zum Opfer. Diesmal fuhren wir bei schönstem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen morgens schon zeitig los, haben uns auch gut dank der NT zurechtgefunden.
Ich muss mich nur daran gewöhnen, dass in den kleinen Gassen meine NT keinen vernünftigen GPS Empfang hat, und somit die ersten Meter eigentlich Blindflug sind. Bis dann das Navi die Route berechnet, bin ich schon wieder weiter, und die ersten Anweisungen der NT sind dann verwirrend.  Also heisst das, aus der Tiefgarage raus, auf eine mögliche Parkmöglichkeit zusteuern, und geduldig die Neuberechnung der Route abwarten.
Ronda ist bekannt als die „weisse Stadt“, auf einem Hochplateau liegend, die man gesehen haben muss. Wobei die Häuser, egal wo in Andalusien, fast alle weiss angestrichen sind…
In Ronda haben etliche Künstler neue schöpferische Kraft getankt, wie er Schriftsteller Hemingway oder der Schauspieler Orson Welles. Auch soll hier das Grundwerk für die Oper „Carmen“ entstanden sein.
Am Imposantesten ist allerdings die „Puente Nuevo“, eine Brücke, die die Tajoschlucht in 98m überspannt. Schon eine beeindruckende Konstruktion, die man allerdings von der Brücke aus nicht richtig abschätzen kann. Also sind wir einen Weg in die Schlucht hinunter. Ein toller Blick auf die Brücke!

Die Brücke „Puente Nuevo“ in Ronda

Und natürlich anschließend die Schlucht wieder hinauf! Auch toll!
Ansonsten hat der Ort nicht soviel zu bieten. Die gepriesenen Gebäude wie der Mondragon Palast erwies sich als nicht so prickelnd, vielleicht sind wir auch durch die Sehenswürdigkeiten in der anderen Städten ein bisschen verwöhnt. In meinen Augen wäre Ronda ein schnuckeliges Städtchen mit sehr viel Charme, wenn da Raum wäre, diesen vor lauter Touris auch zu entdecken. So viel zu dem Thema: „Entfliehen wir den Touristenmassen in Sevilla – fahren wir mal nach Ronda.“

Von Ronda aus wollten wir noch in die Stadt „Setenil“, die auch im Reiseführer als sehenswert beschrieben war. Und da hat meine NT alles gegeben, wir wurden über herrliche Nebenstrassen geführt, Kurven, ein toller Belag, und mein Motorradfahrerherz war total glücklich. Zwischendurch stockte mir schon der Atem, als wir in einer Vorstadt eine steile Gasse hinunter mussten, und auch Autos in der Gegenrichtung fuhren. Aber wir schafften auch diese Herausforderung. Ich habe kurzzeitig mit der Atmung ausgesetzt, damit das Motorrad ruhiger über dem Kopfsteinpflaster lag.

Von Setenil haben wir nicht viel gesehen, die NT führte uns an der Innenstadt vorbei, einen steilen Berg hinauf, und ein kleiner Stopp mit einem herrlichen Blick auf die Stadt zeigte uns, warum wir an der Stadt vorbei geführt wurden. Die Gässchen waren für Motorradfahrer nicht befahrbar, zu eng, zu steil, und zuviele Treppen. Ich liebe meine NT!

Aussicht auf Setinil

Meine BAS bewundert Setinil

Weiter gings über tolle Strassen, wie oben beschrieben, aber an der Provinzgrenze Malaga/Sevilla änderte sich der Belag in ein holpriges Mischmasch, nicht wirklich prickelnd. Und das über 40 km. Äußerst anspruchsvoll, immer volle Konzentration war gefordert.
Aber der Restweg nach Sevilla gestaltete sich trotz einiger Verwirrungen meiner NT oder meiner Missachtung der Anweisungen als unproblematisch.
Nach 300 km Fahrt war ich doch ziemilich platt, aber eine Dusche und das anschließende leckere Abendessen (wieder mit gebratenenen Anchovis) brachte mich wieder nach vorne.
Ein toller Tag!!!!! – Die Temperaturen steigen langsam aber stetig an. Habe mir gestern schon ein „Helmgesicht“ geholt vom Fahren mit offenem Visier, aber zum Glück sind meine Klamotten für diese Temperaturen noch unbenutzt. So hat alles 2 Seiten…. und morgen hat mein Mann Geburtstag: da darf ER mal bestimmen was wir machen 🙂

 

 

 

 

01.05.2017 – Sevilla

Nach einem hervorragendem Frühstück machten wir uns auf die Socken, die Stadt bei angenehmen Temperaturen zu erkunden.
Unser Hauptziel war die Kathedrale von Sevilla.
Die Warteschlange vor der Kathedrale hielt sich in Grenzen, Geduld ist ja mein zweiter Vorname -:) Positiv war, dass man sich einen Audioguide leihen konnte, so war man flexibel und wir hatten gute Erfahrungen damit schon in  Cordoba gemacht.
Die Kathedrale ist nach dem Petersdom die größte im Barockstil gebaute Kirche, und wie so oft in Spanien, erbaut auf dem Gelände einer Moschee, die aber zuvor wohl dem Erdboden gleicht gemacht worden war.
Die Kathedrale selbst rief jetzt kein großes Erstaunen bei mir hervor, unendlich viele kleine Altäre und Sakristeien entlang des Hauptschiffes. Zu jedem dieser Bauten gab es Erklärungen, aber die Unmenge an Jahreszahlen und Malern und Heiligen, kann man sich nicht merken. Es war ja auch die 4. Kathedrale in knapp 2 Wochen. Am interessantesten war der Sarkophag von Christopher Columbus, der hier letztlich seine Ruhestätte fand.

Der Sarkophag des Christoph Columbus

Der Hauptalttar war leider vergittert, so dass man keinen freien Blick auf den kunstvoll gearbeiteten Altar werfen konnte.

Der Hauptaltar

Bis auf eine spezielle Reiegruppe, für die wurde das Altartor geöffnet, man sah noch weniger, und es war unendlich laut. Wobei mir das Verständnis für die Leute fehlt, die sich an einem doch sakralen Ort, sehr laut unterhalten, ein Liedchen pfeifen oder klatschend durch die Gegend laufen. Der Höhepunkt war allerdings ein Handytelefonat. Und da war meine Toleranzgrenze doch schnell überschritten. OK, der Selfiewahn macht auch in Kirchen nicht halt, aber soviel ungebührliches und respektloses Verhalten habe ich bis dato in keiner Kirche erlebt. (Verschwiegen hat er noch, dass die BAS nicht auch die beste aller Audioguide-User ist. Die Technik der Folientastatur erschliesst sich mir nicht wirklich. Wer erfindet und benutzt bis heute sooo einen S.h.iß??? Das hat das Nervenkostüm meines BAF doch arg strapaziert.)
Weiter ging es bei herrlichstem Wetter zum „Plaza de Espana“.
Aus Wikipedia:
„…Die Plaza de España ist einer der bekanntesten Plätze in Sevilla, Spanien. Als Sevilla 1929 die Iberoamerikanische Ausstellung veranstaltete, wurden viele Gebäude für die Ausstellung im Maria Luisa Park errichtet, unter diesen die Plaza de España von Aníbal González (der ebenfalls leitender Architekt der Gesamtveranstaltung war). Von „Gebäude“ wird hier deshalb gesprochen, weil der Platz durch ein halbkreisförmiges Gebäude, das sich nahtlos um den Platz legt, erst gebildet wurde. Der Halbkreis hat einen Durchmesser von 200 Metern und soll eine Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch Spanien symbolisieren…“

Blick auf den Plaza de Espana

Eine sehr beeindruckende Architektur mit einem Kanal, der von 4 Brücken überspannt wird,und einer fast 30.000 qm großen Freifläche. An der unteren Wandgalerie sind Fliesengalerien aller spanischen Großstädte angebracht, ein prachtvolles Farbenspiel.
Und überall wieder jede Menge festlich gekleidete Frauen, Männer und Kinder – toll geschmückte Kutschen – da kam man sich in seinem Touri-Outfit manchmal ganz schön schäbig vor: Treckingsandalen statt Highheels, Jeans statt Rüschenkleid, selbst eine Blume im Haar hätte bei meiner Kurzhaarfrisur keinen Halt gefunden 🙁 . Auf jeden Fall ist jetzt die 1.Speicherkarte des Fotoapparats voll, -war wohl nicht so groß.

Wunderschöne Mosaiken der spanischen Großstädte am Plaza de Espana

 

30.04.2017 – Sevilla

Samstags in Cordoba, wieder Regen, wie am Tag zuvor. So fuhren wir erst um 13.00 Uhr los, es war kalt (15 Grad), aber trocken. Wir wählten den direkten Weg über die Autobahn, das Fahren über kleinere Strassen haben wir uns erspart. Dank unserer zuverlässigen NT -:)* haben wir das Hotel in einer kleinen Gasse schnell gefunden. Warum ich immer Hotels in den kleinen Gassen suche, erschließt sich mir nicht.
*Ich glaube, sie wird noch während dieser Tour zur BaNT geadelt.

Unser Appartment versetzte uns zunächst in eine kleine Schockstarre, verwohnt, die kleine Küchenzeile äußerst primitiv, und Fenster nur zum Innenhof. Das Bad hatte einen starken Modergeruch, und dann sahen wir die Ursache, der kleine Holzschrank unter dem Waschbecken hatte wohl irgendwann zuviel Wasser abbekommen und moderte vor sich hin. Das war nicht akzeptabel, und nach Rücksprache versprach man uns einen Wohnungswechsel für den nächsten Tag. Hat dann auch geklappt, bezogen ein schönes Appartment, alles gut. Ein Supermarkt auch direkt in der Nähe, was will man mehr.

Der 1. Nachmittag/Abend war geprägt von einer Findungsphase, wo bin ich, wo will ich hin! Und das war nicht so einfach, bei so vielen großen Städten in kurzer Zeit kann man schon mal die Orientierung verlieren. Aber irgendwie haben wir auch etwas zu essen gefunden, und alles war gut. Ich fand Sevilla by night super, es wurde nämlich ganz schnell dunkel und die Laternen und Lichter dafür um so heller. Tolle Impressionen für den Fotoapparat.

Am nächsten Tag haben wir uns dann aufgemacht in die Stadt, sehr viele Leute waren unterwegs, und fast alle festlich herausgeputzt, und dann war klar warum, das „Frühlingsfest Feria de Abril“, ein Folksfest, welches an diesem Tag begann. Deshalb die Aufmachung der Leute, fast alle Frauen in Flamenco Kleidern, die Kinder auch, die Männer in blauen/grauen Anzügen, alle elegant, und mit stolzer Haltung. Das Stadtbild war geprägt von herrlich geschmückten Pferdekutschen, die in Richtung Festgelände fuhren.

Eine prachvolle Kutsche

Da wir nicht genau wussten, wo denn dieses Gelände ist, liefen wir einfach mit.
Unglaublich viele Menschen waren da unterwegs, Massen bewegten sich dorthin, zu Fuß, per Kutsche oder mit Bussen und Taxis. Entsprechend war der Verkehr in der Stadt auch chaotisch.
Das Fest „Feria de Abril“ begann 1847 als Viehmarkt und wurde dann immer mehr zum Volksfest. Das Fest dauert eine Woche und ist jetzt auf dem ehemaligen Expogelände aus 1992 beheimatet.

Das Hauptportal zum Volksfest

Man muss wissen, dass dieses Fest für die Bewohner Sevillas ausgerichtet wird, was bedeutet, das Normalos wie wir keinen Zutritt zu den Buden haben, man muss schon eine Einladung haben, sonst passiert da gar nichts. Die Buden werden von den verschiedensten Vereinen, Firmen etc. gebucht, und wenn man keine Beziehungen hat, läuft da gar nichts! Alle waren individuell eingerichtet und dekoriert mit grossen Bildern, Gardinen usw. Sehr gemütlich .

Eine der vielen Buden auf dem Festgelände


Es gab auch einige Buden/kleine Zelte der Stadt Sevilla, die zwar zugänglich für alle waren, aber entsprechend übervoll waren diese. Es gab keine sonstigen, so wie bei unseren Volksfesten üblich, zusätzlichen Ess-und Getränkestände, und da ist mir der Spass total vergangen, nichts zu essen, nichts zu trinken, grausam. Und wir sind dann schnell raus, um uns zu stärken. Und wir mussten wieder zurück in die Stadt, ca. 30 min. Marsch, und das entgegen der Laufrichtung der enormen Massen, aber wir waren erfolgreich, hurra.

Es war schon gegen 18.00 Uhr, als wir uns auf den Weg zum „Mercado Lonja del Barranco“machten, eine Markthalle umgebaut zu einer Essensmeile mit verschiedensten Gerichten, hatten wir schon am Abend während der Selbstfindungsphase entdeckt. Und wir mussten auch an der Stierkampfarena vorbei, auch hier sehr viel Leute, denn während des Volksfestes finden jeden Tag Stierkämpfe statt.

Der Haupteingang zur Stierkampfarena

Sind Stierkämpfe nicht verboten worden in Spanien?
Meine BAS hatte tagszuvor mir angeboten, als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, entweder mal ein T-Bone Steak (für mich als Vegetarier. 🙂 ), oder eine Flamencoshow oder einen Stierkampf zu schenken. Stierkampf kam gar nicht in Frage, Flamenco hatte ich schon gesehen, und ein T-Bone Steak war da schon eine Option.
Aber als ich da vor der Arena stand und die Leute sah, erfasste mich die Neugier, was die Leute daran so fasziniert. Auch wenn die BAS ein bisschen überrascht war von meiner Idee, egal, ich wollte da hin.
Am Ticketschalter half uns ein netter Franzose wegen der Platzauswahl, und wir haben ein Ticket gekauft. Und dann saßen wir dann da und harrten der Dinge, die auf uns warteten.

Die Zuschauerarena

Manche mögen die Nase rümpfen, Stierkampf gehe gar nicht, aber als die Toreros (2 Männer und eine Frau) einritten, war das schon ein kribbelndes Gefühl. Und das Volk war total enthusiastisch, war auch eine tolle Show die zusammen mit den Pferden angeboten wurde.
Nach dem Ausritt erschien einer dieser Reiter (der Matador) mit seinem Pferd in der Arena, und der erste Stier wurde losgelassen. Er rannte ungestüm in die Arena, angelockt von den Helfern mit ihren wedelnden „capotes“ (die roten oder gelben Tücher), bevor der Matador die Aufmerksamkeit des Stiers an sich riss. Und es folgte ein wilder Angriff auf das Pferd, aber die Symbiose zwischen Reiter und Pferd war äußerst beeindruckend, wie schnell das Pferd wendete, Haken schlug, dann wieder den Stier fixierte, damit der Matador die ersten Stiche setzten konnnte.

Perfektes Timing von Reiter und Pferd

Der Stier wird fixiert

Das Ritual des Stierkampfes  besteht aus 3 Phasen, nach jeder Phase wechselte der Matador das Pferd, und dem verwundeten Stier schwanden dann langsam die Kräfte.  Ich erspare mir weitere Details bis zum Tode des Stieres, aber die Reitkunst und das Spiel Reiter, Pferd und Stier hatte schon was. Insgesamt fanden 6 Kämpfe statt, das gesamte Spektakel dauerte von 18:30 bis 21.00 Uhr. Ach so, die Kämpfe wurden wohl live übertragen, denn es gab genügend Kameras, die Matadore wurden nach dem Kampf direkt interviewt.
Anschließend gings es dann für uns in den o.g. Markt, sehr leckere Tapas, und zu einem vertretbaren Preis.

28.04.2017 – Cordoba

IDie Fahrt von Granada nach Cordoba gestaltet sich problemlos, voll der Navitante vertraut. Das war gut so, denn noch innerhalb der Stadt hatte die Polizei eine Hauptverkehrsstrasse gesperrt, aber meine Navitante hatte damit kein Problem, super.

Apropos, zu unseren gebräuchlichen Abkürzungen bisher wie:
BAS = Beste Aller Sozia
BAF = Bester Aller Fahrer
haben wir eine neue Abkürzung eingeführt:
NT = NaviTante

Die Fahrt nach Cordoba führte durch unendlich viele Olivenhaine nennen wir sie mal Plantagen, leicht bergig, tolle Strassen. Möchte dort nur nicht fahren, wenn die Olivenernte startet, denn dann wird es unendlich voll.

Blick auf die unendlichen Olivenhaine

Das Hotel haben wir schnell gefunden in einer Gasse kaum breiter als ein PKW aber mit eingeklappten Seitenspiegeln und ein Plätzchen für unser Motorrad haben wir in der Tiefgarage gefunden.

Ein paar Anmerkungen zum Strassenverkehr in Andalusien:
Der Verkehr ist nicht so hektisch wie z. B. in Rom, die Ampelphasen werden weitgehend beachtet, die Autos halten auch für Fußgänger! In den kleinen Gässchen dürfen fast immer Taxen und die Anlieger fahren, die meisten Häuser, auch in der Altstadt, haben eine Tiefgarage. Da es wohl mehr Autos als Anlieger zu geben scheint, sollte man doch eine gewisse Vorsicht walten lassen.:-)
Unberechenbar sind die Motorrollerfahrer, die machen was sie wollen, und alle machen mit. Steht man an einer Ampel in der 1. Reihe, tauchen plötzlich neben einem noch 5 bis 6 weitere Fahrer auf, und alle wollen in eine schmale Gasse geradeaus. Ich habe es nicht geschafft, als erster in die Strasse zu fahren, denn ein „Lokaler“empfindet das „Fußgängerrot“ schon als Startsignal zu fahren, da hatte ich keine Chance, unfair so was 🙂 . Ich könnte noch mehr Details schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Nachmittags stand dann der erste Erkundungsgang an, ein bisschen orientieren, Entfernungen einschätzen, und nach kurzer Zeit standen wir dann vor der „Mezquita Catedrale“, eine beeindruckende Catedrale bestehend aus islamischen und christlichen Elementen, dazu später mehr.
Der Eindruck entstand, dass es noch viel, viel mehr kleine Gassen gibt als in Granada oder Malaga, deshalb ist die Orientierung nicht immer so einfach. Die Gebäude sind nicht so prunkvoll wie in Granada, aber haben doch eine gewisse Ausstrahlung.
An vielen Plätzen sah man Kreuze, die mit Blumen reichlich geschmückt waren, im Zuge eines Wettbewerbes der Stadt Cordoba „Wer hat ein Kreuz am schönsten geschmückt“. Das passte alle gut zusammen.

Ein typisch geschmücktes Kreuz

Am beeindruckendsten sind die Innenhöfe, die sich hinter schlichten Fassaden verbergen. Im öffentlichen Bereich sind die Höfe meist frei zugänglich, bei privaten Häusern sollte man die Privatsphäre der Menschen beachten.( Bilder dazu gibt es den Photobänden meiner BAS)
Wobei wir Glück hatten, meine BAS fotografierte gerade einen kleinen privaten Hof, und es kam ein alter Mann auf uns zu geschlurft, und anstatt uns zu vertreiben, öffnete er das Tor und bat uns herein. Auf einmal sprach er Deusch mit uns, und kannte Essen, wohnte wohl in Düsseldorf, und hatte was mit Fußball zu tun. Mehr haben wir nicht verstanden, aber das war ein schönes Erlebnis. (Das kompensiert die fast notorische Unfreundlichkkeit der spanischen Bedienungen, die fast alle ein bisschen mürrisch sind, und taucht ein Spanier auf, werden diese bevorzugt bedient, haben wir öfters erlebt. Oder man wird einfach ignoriert, ist auch eine Variante)

Die Mezquita Catedrale ist wirklich ein Highlight!
Der Baubeginn war im Jahr 785 durch den Kalifen Abd ar-Rahman I, durch Erweiterungen bis ins Jahr 987 von verschiedenen Kalifen entstand eine Grundläche von fast 23.000 Quadtratmetern. Die größte Moschee nach der Moschee in Mekka.

Blick von der Römischen Brücke

Nach der Rückeroberung durch die Christen im 16 Jahrhundert wurde in die Mitte der Gebetshalle eine riesige christliche Kathedrale gebaut. Glücklicherweise hat keiner der verschiedenen Herrscher die Bauten des Vorgängers zerstört, sondern respektiert und „nur“ Erweiterungen vorgenommen.
 Im Islam gibt es keine bildlichen Darstellungen Allah´s, somit gibt es reichlich Schmuckwerk und prunkvolle Verzierungen an den Wänden. Während in Kirchen der Blick immer zum Altar gelenkt wird, ist man im moslemischen Teil  immer in der Mitte des Raums. Der Wald aus Säulen steht als Sinnbild für die Unendlichkeit.
Den unterstrichenen Teil habe ich zitiert, zur Info.
Wie gesagt, beeindruckend die Säulen Architektur, die Mihrab, eine achteckige Gebetsnische des Kalifen al-Hakam II, und dann die Christliche Kathedrale inmitten einer Moschee gebaut.

Die Säuen der Mezquita Moschee

Die Mihrab

Dieses Zusammentreffen zweier Religionen ist sehr beeindruckend, muss man selbst sehen.
Wir sind uns nicht schlüssig, welches Gebäude beeindruckender war: die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba. Wir tendieren zu letzterem.
Als Konkontrastprogramm besuchten wir anschließend ein Museeum der Inquisition und schauten uns die schaurigen Foltergeräte des Mittelalters an – samt Gebrauchanweisung, …bäh… zum Glück blieben die Albträume aus.

Auf der Suche nach irgendwelchen Statuen von arabischen/christlichen Weisen kamen wir durch Zufall an einem kleinen Hinterhof vorbei, Flamencomusik. Wir traten in den Hof, zahlten einen Obolus, und waren mitten in einer Flamencoshow. Was dort musikalisch, ein Gitarrist und eine Sängerin, geboten wurde, klasse.

Flamenco – Ein Highlight

Die Tänzerinnen sehr ausdrucksstark, ein toller Tänzer, man merkte allen an, dass sie auch Spass am Flamenco haben, und entsprechend wurde man mitgenommen von der Akustik und der Optik.
Ein fußtechnich aber vor allem emotional voll ausgelasteter Tag!!! Wir waren 12h unterwegs am Stück mit Eindrücken, die unterschiedlicher kaum sein können.
Danach konnte der Regen kommen, sowohl auf dem Heimweg, in der Nacht und heute Vormittag. Dadurch hatten wir Luft zum Schreiben. Jetzt hat es aufgehört und die Erkundungstour geht weiter….. laßt euch überraschen.

25.04.2017 – Letzter Tag Granada

Nachtrag am 26.04.2017, in Cordoba, WLAN klappt👍, jetzt mit Photos

Sorry, kann leider keine Photos einstellen, irgendwie habe ich hier WLAN Probleme, werden nachgeschoben!
(Ab 22.00h stellen die hier das Internet ab. – Das wissen aber nur Insider) 😉
Für heute war Kultur angesagt, volles Programm!
Ab 17:00 Uhr war eine dreistündige Führung durch die Alhambra angesagt, aber was machen wir bis dahin???
Gestern abend meinte die BAS, beim rumkurven in Granada gestern war sie der Meinung, einen wunderschönen Blick auf die Alhambra erhascht zu haben, justament zu dem Zeitpunkt, als meine Navitante mir riet:“Wenn möglich bitte wenden“, ich wollte nur wenden, aber die BAS hatte nunmal dieses Bild vor Augen. Flugs auf die Karte geguckt und dank Google Maps war dieser Ort nur 1,8 km von unserer Unterkunft entfernt, also wirklich in der Umgebung :-). Wobei man wissen muss, die Alhambra liegt auf einem Berg, und wenn man draufgucken will, muss man halt auch auf einen anderen Berg, der ein bissschen höher liegt, auch wenn nur 1,8 km entfernt. Zudem gäbe es hier noch Höhlenwohnungen, in Sacromonte, und wenn man schon mal auf der Höhe sei, sollten wir uns diese auch anschauen. Und von da aus bis zur Alhambra sei es ja dann auch nicht so weit. Meine Bemerkung, dass Sacramento und die Alhambra doch durch ein Flußtal getrennt seien, wurden geflissentlich überhört. Egal, da müssen wir durch.      –      Im wahrsten Sinne des Wortes!

Jedenfalls machten wir uns bei herrlichstem Sonnenschein auf den Weg, die 1,8 km zum Aussichtspunkt. Es war keine ebene Strecke, viel bergauf, war ja klar, oder? Sind aber angekommen, aber leider erwies sich der erhaschte Blick der BAS als nicht so spektakulär.       –      Reinhard kämpft sich durch die Tücken der fremden Stadt und wendet auch brav nach Anweisung der Navitante und ich denke nur:“Ach guck mal, da ist die Alhambra“

Blick auf die Alhambra

Also weiter nach Sacromente mit dem Museum für Höhlenwohnungen. Und wieder ging es bergauf/bergab, aber meistens bergauf, gefühlt jedenfalls.
Das Museum bestand aus einigen Höhlenwohnungen, die von den Zigeunern in das Tuffgestein getrieben wurden, als Schutz vor Verfolgungen. War zwar ganz interessant, hatte aber den Charme eines dörflichen Heimatkundemuseums. Allerdings soll hier in der Gegend, jedenfalls in Andalusien, der Flamenco entstanden sein, sagt man. Touristisch ist Sacromento bekannt für seine Flamencoshows, haben wir aber abends nicht geschafft, zu müde. Wir sind ja noch einige Zeit in Andalusien.
Zwischenzeitlich war auch der BAS klargeworden, dass man nicht direkt zur Alhambra kommen konnte. Also hinunter in die Stadt, erstmal eine kleine Bierpause!
Der angesagte Regen blieb Gott sei dank aus, und wir machten uns auf den Weg zur Alhambra, zum festgelegten Treffpunkt mit dem gebuchten Tourguide. Und dieser Weg war verdammt steil, und lang, und steil. Wir hätten ja auch einen Bus nehmen können, haben wir aber nicht gemacht (Auf Wunsch eines einzelnen Herren). Auf halbem Weg sahen wir auf einmal einen öffenlichen Zugang zur Alhambra, also hinein. Ein Jubel und Trubel, man konnnte den Palast Karl V besichtigen, allerdings nur den Innenhof, aber egal. Wir gingen weiter über das Gelände (bergauf) bis zu einem Ticketkontrollpunkt, aber das hatten wir ja nicht, und so wurden wir in einem Blockwartton aufgefordert, wieder zurückzugehen. Wieder den Berg hinunter, und dann wieder rauf bis zum Treffpunkt mit dem Guide. Wir waren rechtzeitig dort, konnten noch ein bisschen ausruhen bis zur ausgemachten Zeit. Und warten auf den Guide.
Und kurz vor 17:00 erschien eine Dame, die nur für uns zwei zuständig war, ich hatte wohl eine Privatführung gebucht. Nicht schlimm, kann ja nur besser werden als im einem Riesentross. Den Namen der Führerin habe ich leider vergesssen, nennen wir sie Rosa. Also Rosa ist Spanierin, in Granada geboren, in Frankfurt aufgewachsen, sprach fast akzentfreies Deutsch. Um es vorwegzunehmen, die Führung war ok, allerdings ohne einen gewissen Charme oder Witz, so ein bisschen unpersönlich, hätte man mehr draus machen können.
Jedenfalls sind wir erst wieder die ganze Alhambra bergab, über Wege, die wir schon zuvor gelaufen waren, aber diesmal mit Ticket. Es ging bis zur Alcazaba, eine Festung zur Verteidigung der Anlage, mit einem tollen Blick auf Granada und das Umland. (Hatten wir auch schon von den o.g. Ausichtspunkten aus 🙂 ).
Egal, denn dann wurde es spannend, es ging zum Nazarenpalast; nennen wir ihn Nasridenpalast. Ich kann es nicht beschreiben, auch nicht die Gartenanlagen, überlasse ich lieber der BAS. Die filigrane arabische Architektur, das gesamte Erscheinunsbild war äußerst beeindruckend, überwältigend, das muss man selbst gesehen haben.

Im Nasridenpalast, nur ein Teil der zahlreichen Verzierungen

 

Ohne Worte

Filigrane Kunstwerke

Eine der vielen Teichanlagen


Und nach 2,5 Stunden war die Führung dann beendet, fertig!
Nicht nur die Führung, wir auch, waren schlielßlich fast 10 Stunden unterwegs.

Viel Senf kann ich gar nicht mehr dazutun, bin einfach nur platt, von den tollen Eindrücken und körperlich und überhaupt. War ein tolles Geburtstagsgeschenk von meinem BAF für mich diese Führung durch die Alhambra nur für UNS ZWEI!!!! Da muss ich mich in Sevilla echt anstrengen, wenn er Geburtstag hat. 

Und für morgen steht die Fahrt nach Cordoba an, und wieder viel Kultur, echt spannend!     –     Ich hoffe, die Stadt ist übersichtlicher aufgebaut und die Stadtpläne richtig eingenordet, denn nach Malaga hatte ich in Granada bereits leichte bis mittlere Orientierungsprobleme. Aber ich hab ja meinen BAF an meiner Seite und zufuß darf er bestimmen, wo ´s lang geht. Das kann er gut. 

24.04.2017 – Rundtour Sierra Nevada

Heute melde ich mich mal als erste mit meinem Senf. Wenn mein letzter Beitrag von der Transferfahrt Malaga – Granada eher in die Kategorie LÖWENsenf fällt, haben wir heute Dijon-, Feigen- oder Honigmohnsenf. Einfach Klasse unsere Rundtour durch die Sierra Nevada!!!!

Denn nachdem wir die Baustellenkultur Malagas hinter uns gelassen und das Unwort des Jahres :“Bitte wenden“ in unserem Navi wieder aktiviert haben, wird die Tante zu unserm Freund/in. Die Rundtour durch die Berge (programmiert von meinem BAF) war eine Wucht. Landschaftlich, motorradfahrtechnisch alles perfekt. Kurven fahren ist wie Rückengymnastik pur, ständige Gewichtsverlagerung beugt Verkrampfungen vor. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, der BAF hatte seine eigenen Eindrücke, nur so viel: Heute habe ich mir zum ersten mal eine Helmkamera gewünscht…vielleicht geben das später meine Fotos wieder, denn ich habe versucht während der Fahrt zu fotografieren.

Für heute stand die Tour durch die Sierra Nevada an, natürlich war das berühmte Schinkendorf Trevélez ein wichtiger Anlaufpunkt. Von da aus sollte es südlich entlang der Berge gehen, um dann nach Norden die Sierra Nevada zu überqueren und zurück nach Granada.
Morgens habe ich dann noch einige Korrekturen an der Route vorgenommen (Lessons learned), und es ging zügig los. Vollstes Vertrauen zur Navitante, klappte reibungslos. Die Route führte uns entlang der A-348 und weiter über die A-4132 bis Trevélez, eine Traumstrasse, unendlich viele Kurven, bergauf und berab, und ein griffiger Bodenbelag. Von der Sicht ganz zu schweigen! Aber man durfte nicht zu viel nach rechts oder links schauen, denn die nächste Kurve war schnell angesagt, also volle Konzentration.
Und das Wetter war leicht bewölkt, Temperaturen um die 20´´, passte!

Trevélez ist ein kleines Bergdorf, bekannt für den berühmten Schinken der Pata Negra Schweine. Es gibt hier keine Schweine, aber die Schinken werden  hierher transportiert, um hier in der Höhe von 1.500m zu reifen.

Trevélez, das Zentrum der Schinkenproduktion

Entsprechend waren auch die kleinen Restaurants voll auf Schinken ausgerichtet, und das Wasser lief mir als Vegetarier (gestern wieder Tapas mit Sardinen gegessen:-)) im Munde zusammen.

Ein Traum für  jeden Vegetarier 🙂

Und noch mehr davon..

Und wir haben uns eine kleine Schinkenplatte gegönnt, musste sein, schmeckte hervorragend!!!!

Weiter gings dann entlang der Bergkette bis zum Abzweig nach Norden über die Sierra Nevada. Ein Blick Richtung Pass lies nicht so richtig Gutes erahnen, dunkle Wolken türmten sich, aber unser Optimismus liess uns den geplanten Weg weiterfahren. Und das war gut so. Wieder Traumstrassen bis zur Passhöhe auf 2.000m, da ging mir wirklich das Herz auf. Und kaum Verkehr auf den Strassen. Für Motorradfahrer ein Paradies! Ich schwelge vielleicht ein bisschen zuviel, aber ich bin noch im Flow….
Allerdings ab der Bergkuppe wurde die Strasse echt schlecht, und zu allem Überfluss fing es an zu tröpfeln. Das gibt es doch nicht! Den Pass hinunter war noch ganz gut, aber auf der Autobahn Richtung Granada (hatte das Navi zwischenzeitlich umprogrammiert) fing es an zu schütten, aber heftig! Glücklicherweise fanden wir schnell eine Tanke zum Unterstellen, gemeinsam mit ca. 15 anderen Maschinen aus Italien. Man kam ins Gespräch, die Truppe kam wohl aus Padua, ist dann mit der Fähre von Genua nach Barcelona gefahren, und war auf dem Weg nach Cadiz auf die Fähre nach Tanger. Und dort wollte die Truppe 11 Tage verbringen, echt krass.

Die Motorradtruppe aus Italien

Nachdem der Regen nachgelassen hatte ging es auch für uns weiter, immer der Navitante schöön brav folgend. Und die führte uns durch Ost-Granada bis in die City, in die Nähe unserer Unterkunft. Warum bis in die Nähe?  Weil es 2 Strassen ziemlich gleichlautend gibt, und ich habe die falsche Strasse bei der Einprogrammierung gewählt.
Oh Schande! Also in Zukunft die Brille aufsetzen, und alles kontrollieren. Denn was folgte war eine „Nightmare“ durch kleinste Gässchen, ich hatte voll die Orientierung verloren, nur die Navitante nicht.
Dazu kam noch, dass meine Wahrnehmung bezüglich der Ausfahrten, die ich nehmen sollte, nicht immer übereinstimmten mit den Anweisungen, und so kam öfters die Anweisung „Wenn möglich, bitte wenden“. Auch das Display ist bei Sonnenschein durch Reflektionen meiner gelben Warnweste schwer ablesbar.
Und dann haben wir doch noch unser Ziel erreicht.
Ein wahrlich toller Tag den wir erlebt haben, auch das bisschen Regen hat nichts ausgemacht!
Der nächste Trip geht dann übermorgen nach Cordoba, für morgen ist eine Führung durch die Alhambra angesagt.