28.04.2017 – Cordoba

IDie Fahrt von Granada nach Cordoba gestaltet sich problemlos, voll der Navitante vertraut. Das war gut so, denn noch innerhalb der Stadt hatte die Polizei eine Hauptverkehrsstrasse gesperrt, aber meine Navitante hatte damit kein Problem, super.

Apropos, zu unseren gebräuchlichen Abkürzungen bisher wie:
BAS = Beste Aller Sozia
BAF = Bester Aller Fahrer
haben wir eine neue Abkürzung eingeführt:
NT = NaviTante

Die Fahrt nach Cordoba führte durch unendlich viele Olivenhaine nennen wir sie mal Plantagen, leicht bergig, tolle Strassen. Möchte dort nur nicht fahren, wenn die Olivenernte startet, denn dann wird es unendlich voll.

Blick auf die unendlichen Olivenhaine

Das Hotel haben wir schnell gefunden in einer Gasse kaum breiter als ein PKW aber mit eingeklappten Seitenspiegeln und ein Plätzchen für unser Motorrad haben wir in der Tiefgarage gefunden.

Ein paar Anmerkungen zum Strassenverkehr in Andalusien:
Der Verkehr ist nicht so hektisch wie z. B. in Rom, die Ampelphasen werden weitgehend beachtet, die Autos halten auch für Fußgänger! In den kleinen Gässchen dürfen fast immer Taxen und die Anlieger fahren, die meisten Häuser, auch in der Altstadt, haben eine Tiefgarage. Da es wohl mehr Autos als Anlieger zu geben scheint, sollte man doch eine gewisse Vorsicht walten lassen.:-)
Unberechenbar sind die Motorrollerfahrer, die machen was sie wollen, und alle machen mit. Steht man an einer Ampel in der 1. Reihe, tauchen plötzlich neben einem noch 5 bis 6 weitere Fahrer auf, und alle wollen in eine schmale Gasse geradeaus. Ich habe es nicht geschafft, als erster in die Strasse zu fahren, denn ein „Lokaler“empfindet das „Fußgängerrot“ schon als Startsignal zu fahren, da hatte ich keine Chance, unfair so was 🙂 . Ich könnte noch mehr Details schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Nachmittags stand dann der erste Erkundungsgang an, ein bisschen orientieren, Entfernungen einschätzen, und nach kurzer Zeit standen wir dann vor der „Mezquita Catedrale“, eine beeindruckende Catedrale bestehend aus islamischen und christlichen Elementen, dazu später mehr.
Der Eindruck entstand, dass es noch viel, viel mehr kleine Gassen gibt als in Granada oder Malaga, deshalb ist die Orientierung nicht immer so einfach. Die Gebäude sind nicht so prunkvoll wie in Granada, aber haben doch eine gewisse Ausstrahlung.
An vielen Plätzen sah man Kreuze, die mit Blumen reichlich geschmückt waren, im Zuge eines Wettbewerbes der Stadt Cordoba „Wer hat ein Kreuz am schönsten geschmückt“. Das passte alle gut zusammen.

Ein typisch geschmücktes Kreuz

Am beeindruckendsten sind die Innenhöfe, die sich hinter schlichten Fassaden verbergen. Im öffentlichen Bereich sind die Höfe meist frei zugänglich, bei privaten Häusern sollte man die Privatsphäre der Menschen beachten.( Bilder dazu gibt es den Photobänden meiner BAS)
Wobei wir Glück hatten, meine BAS fotografierte gerade einen kleinen privaten Hof, und es kam ein alter Mann auf uns zu geschlurft, und anstatt uns zu vertreiben, öffnete er das Tor und bat uns herein. Auf einmal sprach er Deusch mit uns, und kannte Essen, wohnte wohl in Düsseldorf, und hatte was mit Fußball zu tun. Mehr haben wir nicht verstanden, aber das war ein schönes Erlebnis. (Das kompensiert die fast notorische Unfreundlichkkeit der spanischen Bedienungen, die fast alle ein bisschen mürrisch sind, und taucht ein Spanier auf, werden diese bevorzugt bedient, haben wir öfters erlebt. Oder man wird einfach ignoriert, ist auch eine Variante)

Die Mezquita Catedrale ist wirklich ein Highlight!
Der Baubeginn war im Jahr 785 durch den Kalifen Abd ar-Rahman I, durch Erweiterungen bis ins Jahr 987 von verschiedenen Kalifen entstand eine Grundläche von fast 23.000 Quadtratmetern. Die größte Moschee nach der Moschee in Mekka.

Blick von der Römischen Brücke

Nach der Rückeroberung durch die Christen im 16 Jahrhundert wurde in die Mitte der Gebetshalle eine riesige christliche Kathedrale gebaut. Glücklicherweise hat keiner der verschiedenen Herrscher die Bauten des Vorgängers zerstört, sondern respektiert und „nur“ Erweiterungen vorgenommen.
 Im Islam gibt es keine bildlichen Darstellungen Allah´s, somit gibt es reichlich Schmuckwerk und prunkvolle Verzierungen an den Wänden. Während in Kirchen der Blick immer zum Altar gelenkt wird, ist man im moslemischen Teil  immer in der Mitte des Raums. Der Wald aus Säulen steht als Sinnbild für die Unendlichkeit.
Den unterstrichenen Teil habe ich zitiert, zur Info.
Wie gesagt, beeindruckend die Säulen Architektur, die Mihrab, eine achteckige Gebetsnische des Kalifen al-Hakam II, und dann die Christliche Kathedrale inmitten einer Moschee gebaut.

Die Säuen der Mezquita Moschee

Die Mihrab

Dieses Zusammentreffen zweier Religionen ist sehr beeindruckend, muss man selbst sehen.
Wir sind uns nicht schlüssig, welches Gebäude beeindruckender war: die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba. Wir tendieren zu letzterem.
Als Konkontrastprogramm besuchten wir anschließend ein Museeum der Inquisition und schauten uns die schaurigen Foltergeräte des Mittelalters an – samt Gebrauchanweisung, …bäh… zum Glück blieben die Albträume aus.

Auf der Suche nach irgendwelchen Statuen von arabischen/christlichen Weisen kamen wir durch Zufall an einem kleinen Hinterhof vorbei, Flamencomusik. Wir traten in den Hof, zahlten einen Obolus, und waren mitten in einer Flamencoshow. Was dort musikalisch, ein Gitarrist und eine Sängerin, geboten wurde, klasse.

Flamenco – Ein Highlight

Die Tänzerinnen sehr ausdrucksstark, ein toller Tänzer, man merkte allen an, dass sie auch Spass am Flamenco haben, und entsprechend wurde man mitgenommen von der Akustik und der Optik.
Ein fußtechnich aber vor allem emotional voll ausgelasteter Tag!!! Wir waren 12h unterwegs am Stück mit Eindrücken, die unterschiedlicher kaum sein können.
Danach konnte der Regen kommen, sowohl auf dem Heimweg, in der Nacht und heute Vormittag. Dadurch hatten wir Luft zum Schreiben. Jetzt hat es aufgehört und die Erkundungstour geht weiter….. laßt euch überraschen.