Die „Italienische Seele“

Wir haben ja jetzt fast 6 Wochen in Italien verbracht, in den verschiedensten Regionen, Sardinien, Sizilien, Neapel, Adria und Südtirol. Und was wir in dieser Zeit so an Eigenarten oder Erstaunlichem erlebt haben, will ich einfach mal festhalten. Ich glaube, es gibt unendlich viel Literatur über die „Italienische Seele“, aber meine Eindrücke sind exclusiv.

  • Fahrschule: Wir haben einige gesehen. Aber was die da lernen, da haben wir unsere eigene Theorie entwickelt. Die Fahrschule dauert nur 3 Tage. Tag 1: warum muss ich die komischen Schilder an der Strasse nicht beachten? Tag 2: Gibt es denn evtl. noch etwas Wichtiges? ( Kurzstunde), Tag 3: Wie schaffe ich es, den linken Arm während der Fahrt aus dem Fenster zu halten, und gleichzeitig mit der rechten Hand zu telefonieren? Und das waren die Hauptkriterien..Prüfung..bestanden.
  • ich kann quatschen wo ich will: egal, ob Leute mit Kinderwagen den Gehweg blockieren, es wird geredet, und laut! Sogar sehr laut! Auch passiert es, wenn sich zwei autofahrende Freunde begegnen, anhalten, quatschen, der blockierte Verkehr dahinter ganz ruhig…..
  • Italia first: so tolerant die Italiener sind, auch immer freundlich, aber sobald man in einer Warteschlange steht, egal, ob an der Funicolar oder an der Theke, man kann sicher sein, dass irgendeiner/e Person italienischen Ursprungs versucht, vorher bedient zu werden.
  • Nochmal Verkehr: wer von rechts kommt aus einer Seitengasse wird problemlos reingelassen, das gilt auch für Autobahnauffahrten. Die Auffahrenden schauen nicht nach links, sondern fahren einfach. Da das alle wissen, klappt es. Nur für uns Deutschen erstmal sehr verwunderlich.
  • Es ist auch normal, entgegengesetzt in die Einbahnstraße zu fahren. Habe ich auch erst lernen müssen. Und wenn Autos oder Roller so mit 10cm Abstand vorbeifahren, das ist normal! Also ruhig bleiben.
  • Lasse in einem Stau niemals ein bisschen Platz, es gibt immer noch ein Auto, welches von der Seite einfach hineinfährt!
  • Verkerhrsregeln sind außer Kraft: wie oben in der Fahrschule gelernt, Schilder sind Schall und Rauch. Ob Geschwindigkeitsbegrenzung oder Überholverbot, ist nur Reklame…. und man muss da mit fahren, sonst geht man unter. Aber alles fließt … auch die verschiedenen Polizeiorgane beachten diese Regeln nicht… warum wir…
  • Das oben gesagte gilt für beiderlei Geschlecht!
  • Ein Höhepunkt: auf der Autobahn nach Neapel überholte ich einen Ford Ka, der rechte hintere Kotflügel hing nur noch an ein paar was auch immer. Musste ich aus Angst, bei ca. 110 km von herumfliegendem Blech getroffen zu werden, überholen. Im Vorbeifahren sah ich, daß die Stoßstange auch total zerzaust war. Lebensgefährlich für die dahinter Fahrenden. Also nichts wie weg!!! Nur, das kleine Mädel hinter dem Steuer überholte uns dann mit ca. 140 km/h kurze Zeit später …..mit den klappernden Teilen….
  • ich sach ma so: In Deutschland hätte man mir schon den Führerschein abgenommen, aber wo kein Kläger, da kein Richter…
  • Kann auch schon mal schief gehen….

11.06.2018 – Unser Abschluss

Das letzte mal hatten wir uns aus dem Pitztal gemeldet. Am letzten Tag haben wir einen kleinen Spaziergang zur „Benny Raich“ Brücke gemacht, die für „Bungee Springen“ hergerichtet ist, die freie Höhe ist immerhin 92 m. Und wir hatten Glück, ein junges Mädel wagte einen Sprung. Mir war nur vom Zuschauen schon schlecht. Respekt, wer da runterspringt. Und nachmittags sind wir dann in die Sauna und den Whirlpool, das tat richtig gut!

3x ÜF in einem relativ großen Hotel mit aber nur 5 Gästen ist eine kuriose Situation und hieß für mich — anders als am Gardasee— 3x nicht schminken!!!

Als nächstes sind wir dann in Marktheidenfeld gelandet, wohl eher dem Zufall geschuldet, denn unser angepeiltes Ziel mit Würzburg konnten wir nicht realisieren, fast alle Hotels ausgebucht. Es gab zwar noch freie Zimmer, aber zu einem horrenden Preis, und den wollten wir nicht bezahlen. So sind wir dann halt in Marktheidenfeld gelandet, in einem sehr schönen Hotel fast direkt am Main gelegen. Ein kleines romantisches Städtchen, und man konnte dort die Seele baumeln lassen. Abends hatte Reinhard für mich die Dorfband auf dem Marktplatz bestellt, zusammen mit Würstchen— und Bierstand. Das ganze Dorf war auf den Beinen, mein BaF kann buchen.😄 Und im Gegensatz zu Arzl waren auch viele Leute im Hotel, man fühlte sich nicht so einsam. Alles in Allem sehr stimmig, könnten uns vorstellen, nochmal dorthin zu fahren als Ausgangspunkt für weitere Motorradtouren. Und wir hatten Glück mit dem Wetter, kein Regen, obwohl um den Ort herum sich immer wieder schwarze Regen/Gewitterwolken bildeten.

So sind wir dann am Sonntag weiter zu unserem letzten Ziel nach Willingen, in unsere altbekannte Pension “Gästehaus Behle Schäperken”. Wir hatten uns vorgenommen, über Landstraßen dorthin zu fahren, denn Autobahnkilometer hatten wir zu genüge gefahren. Der Anfang ging gut, irgendwie haben wir es geschafft, den angesagten Regenwolken aus dem Wege zu gehen. Allerdings wurde unser geplanter Weg durch etliche Strassensperrungen und Kilometer lange Umleitungen komplett über den Haufen geschmissen, die Navigante kam durcheinander, wir hatten auch die Orientierung ein bisschen verloren. Nach 25 km ausgeschilderter Umleitung, zwar eine sehr schöne Strecke, die wir sonst nie gefahren wären, aber dieser Umweg brachte uns unserem Ziel kein bisschen näher. Also eine Orientierungsphase, auf dem schnellsten Weg nach Willingen war dann unsere Entscheidung. Und das war gut so. Kurz vor Marburg wurde der Himmel bedrohlich schwarz, aber irgendwie schafften wir es nur mit einigen Regentropfen durch die Stadt zu kommen. Zwischendurch kam bei uns die Frage auf „Gibt es denn keine App, die einen über Strassensperrungen und die vorgesehen Umleitungen informert?“ Wenn nein, eine evtl. Marktlücke! Müssen wir mal recherchieren😄

Während einer Tankpause machte mich ein Kabriofahrer auf die schwarzen Wolken aufmerksam, wir sollten lieber die Pause verlängern, wenn wir denn Ziel Marburg hätten, er sei gerade durch einen sehr heftigen Schauer gefahren, hatte aber vorher sein Dach geschlossen 😁 In unserer Richtung herrschte eitel Sonnenschein ☀️, klappt doch alles. Allerdings nur bis Korbach, 20 km vor Willingen. Da setzte doch ein heftiges Gewitter ein, und wir schafften es, uns auf einem Aldi Parkplatz unterzustellen. Gott sei Dank, denn es regnete aller heftigst. Bei nachlassendem Regen  haben wir 3-mal den Ansatz gemacht, loszufahren. Aber nur den Ansatz, denn der Regen nahm wieder an Stärke zu. Dann sind wir in die Regenkombis, und starteten los. Der Regen hatte mittlerweile eine Pause gemacht, die 20 km ziehen wir jetzt durch. So nach 2 km kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, die Straßen absolut trocken, Kopfschütteln. Und so wurden noch nicht einmal unsere Regenkombis nass.

Abends waren wir dann hervorragend essen, im Sauerländer Hof, mit einem frisch gezapftem “Bamberger Schlenkerla”, Herz, was willst du mehr 👍.

Und am Donnerstag fahren wir dann heim, freuen uns auf zu Hause, nach 8 Wochen und fast 6.000 km und einem abgefahrenen Satz Reifen. 🏍😉

 

07.06.2018 – Von Desenzano nach Arzl

Wir haben uns schon einige Zeit nicht mehr gemeldet, zuerst einmal, alles ist ok.

Am letzten Tag in Desenzano sind wir mit der Fähre nach Sirmione gefahren, einer Halbinsel im Süden des Gardasees. Die Fahrtstrecke betrug nur 15min., zu Fuß wären es fast 2 Stunden gewesen. In Sirmione angekommen herrschte ein Trubel wie auf der Cranger Kirmes. Eine sehr schöne Altstadt, mit kleinen Gassen und sehr schönen Häusern und Hotels. Und ich habe noch nie soooo viele Eisdielen unmittelbar neben einander gesehen, ich bezeichne Sirmione als heimliche „Eisdielenhauptstadt“ Italiens. Und ich konnte auch nicht widerstehen, musste mein 1. Eis in diesem Jahr probieren! Ein „Maxieis mit 2 Bällchen“ (wobei die Menge Eis etwa 6 Bällchen nach unseren Verhältnissen entsprach). Ein wahrhafter Genuss! Allerdings wurde die Freude durch einsetzenden Regen getrübt, und wir konnten noch einen trockenen Platz in einem Cafe ergattern. Nach einiger Wartezeit gings wieder zurück nach Desenzano, ein kurzer Ausflug, hat sich aber gelohnt, allein schon wegen des Eises.

Abends bei der Restaurantsuche hatten wir Glück, denn viele Restaurants waren geschlossen, von den italienischen Touris vom Wochenende war nicht mehr viel zu sehen, so landeten wir in dem Restaurant „Alessi“, saßen in einem wunderschönen Innenhof und haben wirklich sehr gut gegessen, zu einem annehmbaren Preis. Sollte jemand mal in die Gegend kommen, unbedingt das Restaurant ausprobieren.

Ich hatte die beste Pasta (genauer gesagt Trüffelravioli) der ganzen Reise. Und Reinhard sein langersehntes gutgegrilltes Stück „Männerfleisch“. 

Dienstag ging es dann weiter Richtung Tirol, nach Arzl, in der Nähe von Imst. Bei schönem Wetter fuhren wir zunächst entlang der Ostküste des Gardasees, eine sehr schöne Strecke, die in vielen Bereichen direkt am See entlang führt und einen sehr schönen Blick auf den See erlaubt. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, anders als am Wochenende, und wenn man so fährt wie die Italiener, kommt man dann doch einigermaßen zügig voran 😜 (wäre in Deutschland unvorstellbar). Der Rest der Strecke über den Reschenpass ging problemlos. Etwas hätte ich beinahe vergessen. Wir fuhren auch über die Autobahn bis Bozen, bevor es Richtung Meran ging. An der Mautstelle in Bozen vertrauten wir auf unsere Routine, Ticket in den Automat, Creditkarte hinterher, freie Fahrt. Nur an dieser Stelle wollte der Automat das Ticket nicht lesen, nach dem x-ten Versuch ging auf einmal die Schranke hoch, und wir fuhren weiter ohne bezahlen zu müssen……Komisch, aber vielleicht kommt ja noch eine Aufforderung zur Zahlung der Mautgebühren nach Deutschland, denn alles ist ja Video überwacht, mal sehen.

Den Ort Arzl kennen wir schon von einem vorherigen Urlaub, eignet sich hervorrand als Ausgangspunkt für Motorradtouren. Diesmal sind wir im Hotel „Montana“ untergekommen, mit Halbpension. Und das war gut, denn in dem Örtchen ist auch noch fast alles geschlossen. Und das Abendessen mit 4 Gängen ist sehr lecker!

Aber bald ist genug mit Schlemmen und Eischen und Bierchen, zuhause ist erst mal wieder „Schonkost“ angesagt, ich kann nämlich schon wieder bei jedem kleinen „Rollenspiel um die Hüften“ teilnehmen. Die Castingrunde überstehe ich locker😘😜. ABER ICH BEREUE NICHTS. 

Die Wettervorhersage versprach für Mittwoch noch einigermaßen gutes Wetter mit Regenschauern, ab Donnerstag sollte es schlechter werden, und ab Freitag dann Regen, eigentlich unser Abfahrtstag Richtung Deutschland. So schwangen wir uns noch einmal aufs Motorrad, über die „Pillerhöhen“, einer tollen Strecke mit engen Straßen und etlichen Kurven, bis zur Landstraße Richtung Landeck. Endlich wieder auf einer freien Strecke, konnte man wieder Gas geben, natürlich im angemessenen Rahmen.

Dann, kurz nach einem Ortseingang, winkte ein österreichischer Polizist uns heraus. Warum das denn? Es gab eine schnelle Aufklärung. Ich war wohl zu schnell, mit gemessenen 74 km/h soll ich in das Örtchen gefahren sein. Ich??? Kaum zu glauben, lag vielleicht noch am Italienflow. Egal, mir wurde erklärt, daß bei gemessenen Geschwindigkeit abzüglich Toleranz von 3 km/h ein Bussgeld von 50,-€ fällig sei. Sollte ich die Messung anzweifeln, müsste er eine Anzeige schreiben. Ich könne das Geld bar oder mit Karte direkt vor Ort bezahlen. Was soll man da diskutieren? Die Polizisten waren sehr freundlich, aber bestimmend. Also habe ich den Obolus an den Österreichischen Staat entrichtet.

Italien hat doch seine eigenen „Gesetze“ oder besser gesagt KEINE. Da muß man erst mal wieder runter kommen auf den Boden der mitteleuropäischen Verkehhrsregeln/—toleranzen, wobei letztere sehr gering sind. 

Um 50,-€ ärmer setzten wir unsere Fahrt zu unserem nächsten Teilziel fort, durchs Paznauntal zum Silvrettasee. Die Fahrt durch Ischgl, sonst das Mallorca der Alpen, erwies sich als trostlos. Die meisten Hotels und Geschäfte waren geschlossen, überall wurde restauriert. Nicht schön, aber verständlich, denn die Wintersaison in Ischgl geht bis Anfang Mai. Danach brauchen die Einheimischen wohl erst einmal eine Auszeit. Die Fahrt zum Silvrettapass (wieder 12,-€ Maut) führte durch eine tolle Hochebene, bevor es dann mit 30 Serpentinen ins Montafon ging. Unsere Strecke führte uns dann 37 km von Bludenz über sehr steile Straßen zum „Faschinapass“ durchs Große Walsertal weiter bis nach Au. Eine traumhafte Strecke! Der nächste Haltepunkt war dann der Skinobelort „Lech“, auch hier nichts zu sehen von irgendwelchen Touris, so trostlos wie in Ischgl. Ist halt der Jahreszeit geschuldet.

Eine insgesamt sehr, sehr schöne Tour, und das bei herrlichem Wetter, der angesagte Regen blieb aus, alles richtig gemacht!

Unsere weiteren Planungen sehen vor, dass wir uns am Freitag in Richtung Würzburg bewegen. Wir wollten uns Würzburg anschauen, aber es gibt dort keine Hotels, einige schon, die aber den Budgetrahmen sprengen. Und das wollen wir dann nicht! Werden eine Unterkunft irgendwo in der Nähe suchen. Zum Ende sind dann nochmal einige Tage in Willingen angesagt, aus alter Tradition heraus.

Das ist schon fast wie Zuhause!!!

02.06.2018 – Desenzano

Gestern haben wir es dann mal ruhig angehen lassen, sind bei doch hohen Temperaturen um die 30‘ durch das kleine, aber sehr feine Städtchen Desenzano geschlendert. Gut, dies ist ein reiner Touriort, aber schön gemacht, schöne Geschäfte, Eisdielen (für die BaS), alles sauber und aufgräumt. Auch die Essenspreise halten sich im Rahmen. Und abends machen wir dann unseren romantischen Spaziergang, entlang des Hafens und der Umgebung.

Da der Ort nicht der größte ist, hatten wir uns für heute mal einen Motorradtrip entlang der Westküste des Gardasees vorgenommen, und dann weiter Richtung Westen zum Lago d‘Idro. Ich hatte den Abend vorher die Strecke ins Navi eingegeben, alles perfekt.

Man ahnt es schon, irgend etwas muss noch passieren! Wichtig, unser Motorrad stand noch an der gleichen Stelle wie zuvor verlassen, und alles dran. Schnell noch getankt, dann Richtung Westküste. Nur…… heute ist Samstag, dazu noch ein Nationalfeiertag, was bedeutete, die Idee, doch mal an die Westküste das Gardasees zu fahren, hatten wohl auch tausende italienische Landsleute, und auch etliche Touris. Dazu kamen noch die etwa alle 400m eingebauten Kreisverkehre, die man sehr wohl als „Bootlenecks“ bezeichnen kann. Denn hier hält man sich noch an Verkehrsregeln, anders als in Neapel, aber dort wäre der Verkehr noch einigermassen flüssig weitergegangen. Und was ich mich bis dato nicht so richtig traute, an den Schlangen links vorbeizufahren, aber diesmal bin ich über meinen Schatten gesprungen, und immer wenn es denn ging, links an der Schlange vorbei, der Gegenverkehr gab auch genug Platz, und die italienischen Autofahrer machten immer Platz. Und wer nicht? Klar, die Deutschen und andere Touris, die mit Mietwagen unterwegs waren, konnte man eindeutig an der Fahrweise erkennen.

Aber irgendwann wurde es doch zuviel für uns, wir sind dann nach 1,5 Stunden Stop-and Go aus einem Kreisverkehr raus, erstmal durchschnaufen. Und wir entschieden, auf den Gardasee zu verzichten und direkt zum Lago d‘ Idro zu fahren. Welch eine Wonne, kaum Autos, freie Fahrt….Auf halber Strecke konnten wir auch direkt bis zum Ufer fahren, ein sehr schöner Bergsee, ruhiger, anders als der Gardasee. Und ein Blick zum Himmel verhieß aber nichts gutes, also auf direktem Weg nach Desenzano zurück und kaum Verkehr.

01.06.2018 – Desenzano, Gardasee

Vor uns lagen ca. 340 km, hauptsächlich Autobahn. Und das war gut so, denn bei dieser Affenhitze sich noch auf Landstrassen und durch verstopfte Städte quälen, das brauchten wir nicht. Hat alles gut geklappt, ein bisschen voll vor Bologna und dem Abzweig Richtung Gardasee, aber sonst ok.

Die Ausfahrt Desenzano mit der Mautstation (stattliche 23,-€ für 325km) ging auch reibungslos, und schwupp, kurz danach standen wir im Stau. Durch die Neapelerfahrung gestärkt, einfach vorbeifahren, wo sich denn eine Lücke auftut, brachte uns ein bisschen nach vorne. Bis die Navitante sich anschickte, uns durch wieder mal kleine Gassen und Einbahnstraßen  zu schicken. Den Höhepunkt bildete allerdings wieder eine ca. 500m lange Fahrt durch eine bevölkerte Fußgängerzone. Kannten wir doch vom letzten Jahr in Spanien? Und es hat keiner gemeckert. Wohlgemerkt, wir hatten eine Unterkunft in der Fußgängerzone gebucht, war schon alles ok, aber der kürzere Weg wäre von der anderen Seite gewesen, nur ca. 50m……warum das Garmin Gerät,das macht, erschließt sich mir immer weniger. Irgendwo ist da was nicht richtig. Ich habe alle Voreinstellungen auch schon geprüft und geändert, hilft nix. (Soll aber beim Tom-Tom Navi ähnlich sein, wie uns andere Motorradfahrer berichteten). Also immer wieder die Strecke und die Anfahrt vor Fahrtantritt prüfen……

Und dann standen wir in der Fußgängerzone und trafen dann den „Steward“ der Vermittlungsagentur. Er schaute ein bisschen skeptisch auf das Motorrad, und auf meine Frage, wo denn der „sichere Abstellplatz“ sei, schaute er noch skeptischer und bedeutete mir, es gäbe keinen. Könne das Motorrad so 100m weiter abstellen, passiert nichts. Und ich hatte morgens nochmal nachgefragt wegen des Parkens, alles wäre ok. Ich glaube, ich werde doch nochmal mit der Agentur in einen Disput treten. 😀 steht ja auch in den Beschreibungen von Booking.com.

Jedenfalles erklärte uns der Steward alles in einem sehr guten Englisch, und bei Bedarf können wir jederzeit anrufen. Die Wohnung ist ganz nett, nur ein bisschen duster, und leider kein Balkon, dafür aber eine Waschmaschine. Schnell die Sachen ausräumen, und dann mein Motorrad an den sicheren Platz bringen. Der mir gezeigte Weg klappte nicht so ganz, wegen der Einbahnstraßen, in Neapel kein Thema, aber hier fahren die Menschen schon eindeutig gesitterter, zuviel Deutsche und Österreicher… habe dann nach einer weiteren kleinen Irrfahrt ein Plätzchen gefunden, ein ausgewiesener Motorradparkplatz, zwar nicht gesichert, aber kostenfrei😜

Dann kam der Versuch, sich ins Wlan einzuwählen. Die Infomappe zur Wohnung enthielt auch diese Info, ausdrücklich mit dem Hinweis, die Gross – und Kleinschreibung zu beachten. Und die ersten Versuche misslangen, und weitere… das genannte Netzwerk gibt es nicht, nur so ähnlich lautend, alle probiert, fängt ja schon gut an….kein Parkplatz, kein Wlan….den Steward angerufen….

Wir sind dann erst mal einkaufen fürs Frühstück und Basissachen, der empfohlene Lebensmittelhändler hatte kaum etwas, was wir brauchten, also sind noch 1,3 km weiter bis zu einem Supermarkt gelaufen. Unterwegs meldete sich der Steward mit Vorschlag, den Strom abzuschalten, und dann wieder ein….(ist eigentlich ein „uraltes“Vorgehen), ging aber nicht, waren unterwegs, und die BaS hatte schon die erste Waschmaschine laufen.

Wieder nach Hause, mit den schweren Taschen. Alles gut verstaut, Waschmaschine mußte eben noch schleudern, dann Strom aus, so 5 Sek. warten, wieder einschalten…..immer noch kein Internet. So ein Mist! Irgendwie ist man schon abhängig von diesem Medium, aber früher hatten wir auch stapelweise Karten und anderes Infomaterial. Aber warum wie früher, ging bisher auf der ganzen Fahrt ganz gut, und hier nicht????

Wieder eine Info an den „Steward“, nix läuft, per „What’s App“.

Dann machten wir uns auf zu einem Abendspaziergang durch das Städtchen. Ein wirklich schöner Ort am Gardasee, zwar viele Touris, auch aus Italien, aber ein sehr angenehmes Ambiente. Unser Essen war auch ok, in einer Seitengasse, und zu für uns inzwischen normalen Preisen.

Der Höhepunkt war dann das „romantische Sitzen auf einer Bank“, mit Blick auf den See.💗 Soviel Romantik, ein bisschen viel Aufregung die letzten Stunden, waren doch schon ermüdend, also früh ins Bett, nicht ohne den Fernseher auszuprobieren. Wie es immer ist, die Batterien schon leicht korrodiert, auch hier lief nix. Das Internet sowieso nicht😫. Und ann brachte ich den Fernseher zum Laufen, und was sehe ich, russisches Fernsehen, per Satellit. Die Reaktionszeit des Fernsehers auf die Fernbedienung lag bei 5 sek., um einen anderen Kanal zu wählen. …..mehr sag ich nicht, aber um das ZDF zu finden, bei 8.000 Kanälen x 5 sek = 40.000 sek. => fast 660 min. oder 11 Stunden…und das Internet ging immer noch nicht…..

Morgens war ich schon ganz früh wach….Internet ging immer noch nicht. Um 9:00 nochmals eine Nachricht….und dann kam die erste Info: ich solle den 1. Buchstaben, der eindeutig mit einem Großbuchstaben geschrieben war, durch einen „kleinen“ Buchstaben ersetzten. ??????? Wollen die mich auf die Rolle schieben????? Aber es ging auf einmal, ein Wunder, ein Wunder….und vielleicht könne ich das ja auch in der „Infomappe“ ändern……was haben denn die Leute gemacht, die vor uns hier waren…..egal, es klappt…..

Sonst hättet ihr auch noch länger auf diesen Bericht warten müssen!😘

30.05.2018 – In Moretta, Adria

Am Dienstag gings los Richtung Adria, nicht ganz ohne Grummeln im Bauch, ob wir denn heil heraus aus Neapel kommen. Warum? Direkt auf dem Weg von der Unterkunft ging es rechts in eine schmale, unübersichtliche Gasse, die auch eine gehörige Steigung aufwies. Und da sich keiner an irgendwelche Regeln hält, wie Einbahnstraße oder s.g. Vorfahrt, kann es dann schon zu einigen für uns gefährliche Situationen kommen. Habe ich oft genug gesehen, aber das Vertrauen in die Scooterfahrer ist im Laufe unseres Neapelbesuches gestiegen, also einfach durchfahren, wird schon gehen. Habe ich mir im Laufe der Woche vielleicht 1000 – mal durch den Kopf gehen lassen. Hat mir doch einige schlaflose Stunden bereitet.

Und es ging! Habe auch Glück gehabt, dass keine Autos vor mir waren, und auch keine auf der Strasse laufenden Fußgänger, denn es gab keinen Bürgersteig. Alles problemloser als erwartet! Der erste Adrenalinkick war schnell und gefahrlos vorbei, wir waren froh, in dem normalen Getümmel zu sein. Bis wir dann in einem völlig verstopften Kreisverkehr einmal falsch abgebogen sind, und die Navitante uns einen neuen Weg errechnet hatte. Dieser führte allerdings bei sengender Hitze quer durch Neapel, ungefähr 18 km, mit Staus und allem was dazu gehört. Für die erste Strecke bis zur Autobahn haben wir fast 1,5 Stunden gebraucht, ziemlich anstrengend und schweißtreibend. Die restlichen 430 km über die Autobahn, davon ca. 100 km über eine toll ausgebaute Landstraße, gingen dann problemlos, nur die Hitze machte uns schon zu schaffen.

Wir sind dann an der Adria in dem Städtchen Maretto gelandet, in einem kleinen Hotel mit Blick aufs Meer. Schön, aber alles um einen herum tot. Es gibt keine Leute, viele Lokalitäten noch geschlossen. Wie es denn in der Hauptsaison hier aussehen könnte, bleibt der Phantasie des Betrachters überlassen. Vieles ist noch im Aufbau für die kommende Saison, die erst Mitte Juni losgehen soll, wie wir heute erfahren haben. Für mich ist das jedenfalls nicht eine erste Adresse.

Morgen fahren wir dann nach Desenzano zum Gardasee, unser anvisiertes Ziel mit dem Grödnertal haben wir fallen lassen, die Wettervorhersage für die Dolomiten verspricht eitliche Gewitter in den nächsten Tagen, und das brauchen wir nicht.

28.05.2018 – Letzte Tage Neapel

Es ist schon einige Zeit vergangen seit unserem letzten Eintrag, das soll aber nicht heißen, dass es nicht spannend war.

Nach unserem Ausflug war erst mal ein bisschen Erholung angesagt, wie gesagt, Erholung. So entschlossen wir uns, doch entlang der Promenade zu schlendern, war ja schließlich Sonntag. Als erstes fiel uns neben einigen schick gekleideten Leuten eine Stretchlimousine der Marke „Hummer“ auf, aus der etliche 10-12 jährige Kinder kletterten, die Jungs in feinem Anzug, die Mädels in weißen Kleidern, Ausgabe Hochzeitskleider für Kleine. Was ist denn hier los? Und dann fuhren noch zwei weitere „Hummer“-Limousinen vor, und wieder stiegen Kinder aus dem Wagen aus. Auf der abgesperrten Strandpromenade tummelten sich etliche professionelle Fotografen, um die Kinder und die nicht minder stolzen Eltern zu fotografieren, selbst Drohnen schwirrten um diese Gruppen herum. Alles wirkte ein bisschen gestellt, das Lächeln der meisten „gepimpten“ Mütter und oft lässigen bzw. „Coolen“ Väter sah doch sehr gestellt aus.
Und dann schwante es uns, es war der Tag der Erstkommunion. Was für ein Aufwand! Den Höhepunkt bildete eine 2-spännige Kutsche, teilweise in goldener Farbe, mit etlichen Ertskommunionkindern, die dem staunenden  Normalvolk zuwinkten, begleitet von Fahenschwenkern. Ich hoffe mal nicht, dass  diese Ausartung irgendwann zu uns rüberschwappt.

Egal, wir sind die Promenade entlang bis zum Yachthafen, stolze 4 km in der prallen Sonne, unser Ziel war wieder einmal eine „Funicolar“, von deren Zielstation man auch einen wunderbaren Blick über die Stadt haben soll. Und wir haben diese Funicolar auch gefunden. Und richtig, der Blick vom Berg auf die Stadt war schon überragend. Und diesmal ging es die 200m abwärts mal nicht über Stufen, sondern immer der Strasse entlang, und diesmal waren es einige Meter bis man wieder auf Meeresniveau war, immer noch viel Sonne. Und zurück sind wir dann auch gelaufen, haben so unsere 12km Fußmarsch gemacht. Soviel zu einem entspannten Sonntag.

Der Montag war dann wirklich entspannend, erst mal eine Unterkunft an der Adria besorgen, unserem nächsten Ziel auf der Reise. So planten wir dann eine Überfahrt von ca. 450km, die Strecke aus Neapel heraus schien auch ziemlich normal, und dann waren es eh nur Autobahn mit zwischendurch einer gut ausgebauten Landstraße. Abends waren wir dann hervorragend essen in einem kleinen Lokal direkt in unserer Nähe, mit einem wirklich beeindruckenden Wirt, dessen Figur eher an den Tenor Pavarotti erinnerte. Ein äußerst reger Typ, der seinen Laden voll im Griff hatte.
Wir haben nur den Vorspeisenteller geschafft, ein Glässchen Wein dazu, ein sehr schöner Abschluss unseres Aufenthaltes in Neapel.  

Als Fazit möchten wir festhalten, daß uns Neapel sehr gut gefallen hat, nachdem man sich erst an den Verkehr und das Gewusel speziell in unserem Viertel gewöhnt hatte. Die Altstadt mit den Gäßchen und Sehenswürdigkeiten sind absolut eine Reise wert. Auch haben wir uns selbst in den entlegenen Winkeln unseres Viertels sicher gefühlt. Die öffentlichen Plätzen war durch Barrikaden und Soldaten geschützt, und fast überall war eine stattliche Anzahl von Polizei anwesend, die ein gutes Gefühl an Sicherheit vermittelten.

Ich möchte noch ergänzen, daß wir in den ersten Tagen Glück hatten mit dem Wetter, es war durchaus erträglich, am Schluß gab es eine Art Dunstglocke über der Stadt, die uns ganz schön ins Schwitzen gebracht hat. Ich möchte mir das Ganze nicht im Sommer vorstellen — oder mit streikender Müllabfuhr — dann ist der Spaßfaktor sicherlich wesentlich geringer!

27.05.2018 – Bustour Pompeji und Vesuv

Es werden sich sicher einige fragen, warum Bustour und nicht Motorrad. Ehrlich gesagt, hat die Fahrt durch Neapel zu unserer Unterkunft mir den Zahn gezogen, hier mehr Motorrad zu fahren als nötig.

Also haben wir dann den Abend vorher mal ins Internet geschaut, speziell bei „GetYourGuide“, welche Touren nach Pompeji und zum Vesuv überhaupt angeboten werden für den darauffolgenden Tag. Gemütlich fahren lassen, mit einem Guide durch Pompeji und auf den Vesuv kutschieren lassen.

Jedenfalls lief alles reibungslos, wurden von einem Treffpunkt nahe unserer Unterkunft abgeholt, und mit leichter „italienischer“ Verspätung erreichten wir dann gegen 11:00 Uhr Pompeji. Gut daß wir nicht mit dem Motorrad gefahren sind, wieder alles sehr voll, und die nicht zu unterschätzende Hitze.

Und wir hatten ein Riesenglück mit dem Tourguide, eine nette Dame, die hervorragendes Englisch  sprach, und uns vieles über Pompeji erzählte, und das auf eine spannende, humorvolle Art.

Nur ein paar Fakten zu Pompeji, einer Stadt, die zuerst durch die Griechen erbaut und danach durch die Römer erweitert wurde. Es sollen bis zu 16.000 Menschen dort gewohnt haben (andere Quellen gehen von 20.000 Menschen aus). Nach dem verherenden Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n.C. wurde die Stadt unter einer 6-7m dicken Ascheschicht begraben. Durch diese Ascheschicht wurden viele Bauwerke, Kunstschätze und Alltagsgegenstände konserviert. Durch Zufall wurden im Jahre 1600 einige Kunstschätze entdeckt  bei Entwässerungsarbeiten. Vorangetrieben wurden die Ausgrabungen im 18/19. Jahrhundert. Es wurde allerdings versäumt, die Ausgrabungen zu konservieren und wieder aufzubauen, so daß Pompeji durch die Witterung wieder dem Zerfall preisgegeben ist. Zudem führten Bombardierungen im 2. Weltkrieg und ein Vulkanausbruch 1944 zu weiteren Zerstörungen.

Von dem Gelände sind nur 1/3 für die Besucher zugänglich, aber die Gebäude und Anlagen ergeben schon ein sehr imposantes Bild, zumal durch die Erklärungen unseres Guides es schon möglich war sich vorzustellen, wie das Leben sich damals abgespielt haben könnte. Bei dem Vulkanausbruch wurden die Menschen unter der Asche begraben, sie sind erstickt und nicht verbrannt. Aber durch die poröse Abdeckung konnten alle organischen Leben verwesen, die dann entsprechende Hohlräume bildeten. Die Archäologen im 19. Jahrhundert haben unter der Ascheschicht diese Hohlräume durch Klopfen ausgemacht, dann diese Hohlräume mit Zement ausgegossen. So konnte man dann nach der Freilegung erkennnen, um welchen ehemaligen Körper es sich gehandelt hat. In der Glasvitrine sieht man die Gestalt eines Kindes. Fand ich irgendwie spannend. Ein weiteres Merkmal sind die Spurrillen in den Straßenpflastern. Die von Eseln (nicht von Pferden wie im Kino) gezogenen Karren verblieben in der Spur, ein Überholen gab es nicht, so daß sich auch schon die ersten Staus bilden konnten. (Nach unserem Guide entspricht die Spurbreite dem damaligen Maß von 2 Eselhintern, nämlich ca.1,40m, der heutigen Spurbreite unserer Eisenbahn…). 

Und wenn man den Vesuv im Hintergrund sieht, erkennt man 2 Gipfel, so um 1290m hoch. Diese 2 Berge bildeten aber zum Zeitpunkt des Ausbruchs einen Berg mit einer geschätzten Höhe von 3.000m. Man mag sich kaum vorstellen, welchen gewaltigen Massen aus dem Vulkan geschleudert wurden.

Alles in Allem hat die Führung 2 Stunden gedauert und war sehr spannend. Nach einer kleinen Stärkung mit Pizza fuhren wir dann zum Vesuv. Eine spannende Anreise, der Busfahrer war ein Freund der „Hupe“, was auch tlw. nötig war bei doch einigen engen Kurven. Wichtig war, daß dieser Bus weiter als jeder private Pkw fahren durfte, und so wurden wir ca. 200m unterhalb des Vesuvgipfels abgesetzt. Und dann ging es doch sehr steil bergauf, aber mit einigen Verschnaufpäuschen (man ist ja nicht mehr der Jüngste ) erreichten wir den Kraterrand, und sahen dann in den Vulkanschlund. Ein bisschen unspektakulär, kein blubberndes Magma, nur ein winzig kleines Rauchfähnchen am Rande. Man sagt, alle 50 Jahre solle der Vulkan ausbrechen, und der letzte Ausbruch war 1944, also sei er überfällig . Aber wir hatten Glück. Leider war der Blick auf Neapel, Sorrent und Capri durch das diesige Wetter nicht so klar, trotzdem sehr beeindruckend, dieser Golf von Neapel.

Ich muss sagen, es war alles toll organisiert, absolut zufrieden, dafür nochmals danke an den Veranstalter.

25.05.2018 – Heute mal was anderes – Capri

Nach den ersten Ermüdungserscheinungen haben wir beschlossen, wir lassen uns wieder transportieren, nach dem gestrigen „Transportflop“ diesmal mit einer Fähre, Ziel Capri. Wir kamen zwar als fast letzte an Bord der voll besetzten Fähre, egal, und nach einer Stunde Fahrt landeten wir auf Capri.

War schon immer ein kleiner Traum von mir, einmal diese Insel zu betreten, habe wohl in meiner Kindheit zuviel Rudi Schuricke gehört..“Wenn auf Capri die rote Sonne im Meer versinkt…“ genug davon.

Der erste Eindruck auf der Insel „Menschen, Menschen, Menschen“ sehr lange Schlangen zur Funikular, die einen 180m bis in die Stadt transportiert, lange Schlangen vor den Bushaltestellen und Taxiständen. (Autos etc. sind auf der Insel verboten, nur die öffentlich bzw. von den Hotels betriebenen E-Autos/Karren) . Wo bin ich denn hier reingeraten? 

Wir sind sofort zu einem Ticketoffice gegangen, der eine ca. 2-stündige Inselrundfahrt mit der „Blauen Grotte“ anbot. Haben die Fahrt gebucht, allerdings ohne die „Blaue Grotte“, denn die war gesperrt, die Ruderboote konnten aufgrund des Wasserstandes nicht die Grotte befahren. Man muß verstehen, auch wenn die „Blaue Grotte“ im Programm ist, muss man vom Schiff in ein Ruderboot umsteigen, was noch einmal extra kostet, 14,-€ pro Person. Haben aber trotzdem die Tour gebucht. Und das war sehr gut. Wir bekamen einen tollen Blick auf die Insel, mit den schroffen Felsen und den schönen Höhlen. Zum Teil ist der Schiffsführer bis in die Grotten gefahren, man konnte zwar nicht so viel erkennen, jedenfalls nicht das, was der englisch sprechende Italiner erklärt oder was wir interpretiert hatten. Es war trotzdem ganz toll, sollte man unbedingt machen. Mehr Bilder kann ich leider nicht anbieten, weil vor und neben mir aufspringende Menschen meine Sicht doch sehr eingeschränkt haben.  Die „Blaue Grotte“ ist als solche von außen gar nicht zu erkennen, sah ohne den Trubel ziemlich trostlos aus.

Nach dem Erlebnis auf dem Wasser sind wir mit der Funikular in die Oberstadt gefahren, der Hauptansturm war vorüber, die waren schon alle oben. Haben wir dann auch gesehen, als wir ankamen. Denkt man sich diese Massen mal weg, ist diese Insel eine wunderschöne Welt, alles sieht hervorragend aus, die Straßen, die Häuser, das gesamte Ambiente vermittelten einen wunderschönen Eindruck. Wir sind durch die Stadt bis zur „Villa Krupp“, wirklich der Krupp, hat neben einer Villa eine wunderschön geschwungene Straße zum Meer bauen lassen. Und vom angrenzenden Park hatte ich eine wunderschöne Sicht auf die Stadt und Felsformationen, die mir zuvor auf dem Schiff verwehrt wurden.

Und nach diesen Eindrücken hatten wir ein Bier verdient, wobei der Preis von 9,50€ für ein 0,4l. Bier doch sehr anspruchsvoll erschien. Aber man ist ja nur einmal auf Capri. Der Weg mit der Funicular zum Hafen ging ohne lange Warterei, und wir waren in der Zeit, die Fähre um 15:30 nach Neapel zu erreichen. Zu unserem Erstaunen war diese Fähre und auch die darauffolgende Fähre gar nicht zu buchen, war wohl von Reisegesellschaften belegt. Und so kamen wir erst mit der 17:10 Fähre von der Insel, die allerdings schon um 16:55 ablegte……

Also, lieber rechtzeitig irgendwo sein, denn was auf dem Plan steht wird nicht immer so ernst genommen……

24.05.2018 – Weiter Neapel

Nach der ewigen Tippelei und Treppenstufen haben wir gestern beschlossen, uns einfach fahren zu lassen. Die Idee war, mit der Metrolinie 1 zu fahren, die Stationen Richtung Bahnhof sollen alle mit irgendwelchen künstlerischen Darstellungen ausgestattet sein. Also zuerst mit der „Funiclar“ wieder zur Oberstadt und zum Startpunkt der Linie 1. Diese Station war allerdings von irgendwelchen künstlerischen Darstellungen weit entfernt, wenn man mal die Beleuchtung außer Acht läßt. So fuhren wir denn los, und stiegen an der Station „Museo“ aus, aber dort war auch nicht viel. Also zur Endstation Bahnhof, und dieser Bereich der Metro war zwar architektonisch ganz nett, aber nichts besonders. Ein klein bisschen enttäuscht waren wir schon. Bis wir  auf einmal ein Plakat entdeckten, auf dem die Stationen vorgestellt wurden, nur davon haben wir nichts gesehen. Hätten vielleicht doch noch durch die Sperren gehen und wieder ein neues Ticket kaufen sollen. Haben wir aber nicht gemacht. 😂

Das, was auf dem Plakat abgebildet war, haben wir zwar teilweise im Vorbeifahren registriert, aber nicht als besonders künstlerisch angesehen. Da haben wir schon wesentlich “schönere” künstlerische U-Bahn Stationen gesehen.

So sind wir dann doch wieder Richtung Altstadt gelaufen, um die Führung „Napoli Underground“ zu erleben. Wir waren rechtzeitig dort, und los ging es. Zuerst einmal 122 Stufen hinunter (wollte keine Stufen mehr laufen…) , so dass man 40m unter der Oberfläche war. Das Thema der Tour waren die unterirdischen Kavernen und Wasserversorgung, die schon im Jahre 200 v.C. von den Griechen begonnen wurden. Damit wurde die Bevölkerung von den Quellen am Vesus mit Wasser versorgt. Dazu legten die Griechen schon etliche ca. 7m tiefe Wasserbecken und Kanäle an, die nach der Eroberung durch die Römer noch erweitert wurden auf ca. 100km Wasserläufe. Diese Konstruktion wurde zur Wasserversorgung Neapels bis ca. 1884 genutzt, aber dann kam eine Cholera Epidemie und die Versorgung wurde geschlossen.

Und was machten die Neapolitaner dann mit dem unterirdischen System? Sie füllten die Hohlräume mit Müll, eine einfache Art der Entsorgung. Während des 2. Weltkrieges wurde das unterirdische System als Luftschutzräume benutzt. Vorher hatte man den Müll verdichtet und einfach mit Beton abgedeckt. Nach dem Einmarsch durch die Amerikaner am 01.10.1943 lebten noch etliche Familien weiter im Untergrund, Neapel war zu 40% zerstört worden. Allerdings konnte ich nicht herausfinden, seit wann die Katakomben für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurden.

Egal, nach den ersten 122 Stufen gelangten wir in eine große Kaverne, man konnte den Wasserstand erkennen, die Römer hatten die Wände und Böden schon mit einer Farbe bestrichen, denn sonst hätte das poröse Tuffgestein alle Feuchtigkeit aufgesaugt. Weiter ging es durch wirklich enge Gänge (40 cm Schulterbreite, aber ich bin durchgekommen 😜) bis zum nächsten Wasserbecken, alles sehr gespenstisch und abenteuerlich, zumal in den Gängen kein Licht vorhanden war und wir mit batteriebetriebenen Kerzen ausgestattet wurden.
Zum Ende der Führung und nach 122 Stufen wieder ans Tageslicht wurden wir noch zu historischen Grundmauern eines ehemaligen römischen Amphitheaters geführt. Dieses Theater soll 6.000 Menschen Platz geboten haben, und angeblich hat hier Kaiser Nero seine Sangeskünste zum Besten gegeben.

Nach soviel Kultur machten wir uns auf den Heimweg, und kamen bei unserem Lieblingsmetzger vorbei, der toll schmeckende Würste verkauft, hatten wir uns am Abend vorher schon welche gebraten. Eine Wurstsorte war mit Spinatgemüse zubereitet, der Metzger meinte allerdings, es seien Rübenstiele. Oder unser Übersetzer ist dumm oder der Metzger kann nicht richtig schreiben 😜 Egal, sehr sehr lecker.