15.06.2024 – Bremen

Es lagen 59 km Strecke vor uns. Wie immer ist das Wetter ein Thema, nach den Wettervorhersage hätte es so um 9:30 regnen müssen, tat es aber nicht, die Sonne schien, und es war noch warm. Wie anziehen? Gut, lange Hose und Regenjacke war Pflicht, darunter aber nur ein Shirt. Da wir alles am Mann hatten, kann man ja unterwegs noch alles ändern.

Und es begann wie es kommen musste, eine erste Umleitung, minimalst ausgeschildert, und schon wieder Stress mit der Navitante. Aber wir haben es geschafft wieder auf die Route zu gelangen, viele Wege führten parallel zu stark befahrenen Strassen, zwar ein Fahrradweg, aber unangenehm. Auf den Wirtschaftswegen herrschte doch ein erheblicher Wind, diesmal als Gegenwind…. warum nur?
Und so nach ca. 20 km sahen wir in der Ferne eine schwarze Wolke/Walze auf uns zukommen, das war wohl der angesagte Regen. Wir fuhren weiter, aber immer danach trachtend, wo kann ich mich im Fall des Falles unterstellen. Hätte auch fast geklappt…Wir waren gerade 400 m aus einer Ortschaft raus, da fing es doch heftigst an zu regnen. Schnell zurück zu dem Bauernhof, den ich noch in Erinnerung hatte, und unterstellen. Wurden aber trotzdem ganz schön nass. Der Bauer hat noch extra das Tor für uns geöffnet, seinen schon sehr neugierigen Hund beruhigt, Hauptsache wir standen trocken in einer Scheune. Und nach 30 min. war der Schauer vorbei und es ging weiter.

Aber irgendwie passte es heute alles nicht so, die Fahrt war sehr anstrengend, mein Popometer meldete sich schon frühzeitig, der böige Gegenwind tat sein Übriges. Auch unterwegs gab es keine Kioske oder Kneipen oder Cafes, nichts, und das an einem Samstag …unglaublich. Aber in Tedinghausen sahen wir von Weitem schon so ein Festzelt, da muss es doch was geben.

Und wir hatten Glück, dort fand ein Feuerwehrfest am Schloss Erbhof statt. Vieles war wohl noch im Aufbau, aber die „Pippibox“ war schon in Betrieb. Auf Suche nach etwas essbarem wurde Christel auch fündig, „Frankfurter Kranz“. Welch ein Genuss. Komisch, zu Essen gab es Kuchen und eine Dönerbude, aber keine Grillwürstchen, kaum zu glauben.


Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Bremen, die letzten 28 km lagen vor uns, die Navitante ist immer noch ein bisschen doof ( hatte alles versucht, die App gelöscht, das Handy ausgeschaltet usw.) Der Weg wurde immer beschwerlicher für uns, wobei sich die Navitante nach einer Pause wieder so verhielt wie sie sollte. Ein Wunder, zumal wir zu unserem Dorint Hotel mitten durch die Stadt fahren mussten. Quer über den Rathausmarkt, durch Füssgängerzonen, haben wir aber geschafft.

Ich fand es gemein, dass am Schluss noch Kopfsteinpflaster mit Strassenbahnschienen gekoppelt waren und so viele Tourigruppen sind wir auch nicht mehr gewohnt.

Am Hotel angekommen trafen wir unsere alten Weggefährten wieder, und die waren gerade dabei, ihre Räder durch die Lobby zu einem „Fahrradabstellplatz“ inmitten des Hotels zu schieben, als Bodenbelag ein grauer Teppich, Luxus pur.

Ich hatte am Vortag von der Ärztin in Bodenwerder die Nachricht erhalten, dass die Laborergebnisse meiner Urinprobe ergeben hatte, dass meine Keime leider resistent sind gegen das verordnete Antibiotikum. Der Bericht wurde mir per E-mail übermittelt. Was tun? Samstag Nachmittag? Deshalb habe ich mein Glück in einem Bremer Krankenhaus versucht. Kurz duschen, dann mit dem Fahrrad in die Notaufnahme. Samstag Nachmittag brechend voll. Eine Patientin kommt mir entgegen und warnt mich: „Die sind hier sehr unfreundlich und man muss zig Formulare ausfüllen.“ Puh. Das kann ja heiter werden. Dann geriet ich an Pflegekraft Jürgen, der sich mein Anliegen anhörte und welche Unterlagen ich beisteuern konnte und der dann angesichts der besonderen Situation mit dem Weserradweg entschied: „Das machen wir auf dem kleinen Dienstweg, bevor Sie hier 5 Stunden in der Warteschlange verbringen.“ Er drückte mir die Eingangstür auf und schwups saß ich vor dem Behandlungszimmer der Urologin. Ohne jeden Papierkram, sie kennen weder meinen Namen, noch meine Krankenversicherung, allerkleinster Dienstweg also. Zum Schluss habe ich noch kostenlos das richtige Präparat (sogar eines für Frauen und Mädchen in einer 1xDosierung) erhalten und war in ca 20 Minuten wieder draußen-ohne auch noch nach einer Notdienstapotheke suchen zu müssen. Es hat auch niemand etwas für eine Kaffeekasse annehmen wollen. Das war ein absoluter Glücksfall, Jürgen sei Dank. Und ich brauche mir hoffentlich keine Sorgen mehr zu machen, in welchem Ort ich zu welcher Uhrzeit zu welchem Arzt gehen kann. Ein glücklicher Ausklang für einen sehr anstrengenden Tag!

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