Was soll man sagen?? Der Eindruck des ersten Abends wurde noch verstärkt, eine Stadt mit unendlich vielen restaurierten Gebäuden, überwältigend.
Freitag morgens ging es nach unserem ersten selbstgemachtem Frühstück auf Entdeckertour, vorbei an dem Schloss zur gegenüberliegenden russisch-orthodoxen Basilika, vorbei an Teilen der alten Stadtmauer, den Wehrtürmen, Kirchen jeglicher Konfession, es ist einfach zuviel zu beschreiben. Der Blick auf die Altstadt sagt eigentlich alles.

Blick über Tallinn, im Hntergrund die Neustadt
Auf dem Rathausplatz läuft immer noch das Altstadtfestival, mit fast auschließlich lokalen Orchestern, Chören, Tanzgruppen und Einzelsängern. Allerdings ist um 22.00 Uhr Schluss. Egal, man kann auch abends noch gemütlich durch die Gassen schlendern. Wobei abends erst um 23:00 Uhr zu beginnen scheint und noch sehr viele Leute unterwegs sind.
Direkt vor unserer Wohnung ist der Club Hollywood, und dort waren schon am Tage vorher Konstruktionen aufgestellt worden mit Hinweis auf ein spezielles Event. Um was es ging, konnten wir nicht ausmachen. Als wir allerdings nach Hause kamen, merkten wir, wie die „REICHEN und SCHÖNEN“ sich vor dem Eingang des Eventpalastes sammelten.

Die „Reichen und Schönen“ laufen ein.
Wir hatten von unserem Fenster einen Logenplatz, aber irgendwann reichts. Morgens um 6:00 Uhr wurde ich wach durch ein Riesengekreische draussen. Ein Blick aus dem Fenster: Vier doch sehr stark angetrunkene Mädels tanzten um den Brunnen herum, und wie es kommt, ein Mädel rutschte aus, und lag im Wasser. Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen 🙂
Am nächsten Tag ging es weiter auf Erkundungstour, die Temperaturen sind auf 16º gefallen, angenehm. Wir entdeckten immer neue Ecken und Gassen, wobei wir auch ausserhalb der touristischen Pfade laufen, was ja auch zu dem Gesamteindruck einer Stadt gehört. Es ist müssig, dies Alles beschreiben zu wollen, muss man selbst erleben.
Nachmittags entdeckten wir ein Brauhaus, welches leckeres selbstgebrautes Pilsener anbietet, sehr schmackhaft. Ein leckeres Pilschen mit einem Knoblauchbrotsnack, was will man mehr.
Wieder in der Wohnung, und auf einmal draussen ein „Riesengekreische“, so ähnlich wie frühmorgens.
Ein Blick aus dem Fenster sorgte für Klarheit. Auch hier gibt es die (Un)sitte der Jungesellen/sellinnen Abschiede. Und eine Mädeltruppe zelebrierte eines dieser Abschiede, allerdings auf eine für uns ungewohnte Art und Weise:
Die Mädel waren alle leicht und aufreizend angezogen, und hatten auch etwas zu verkaufen: Tequila! gegen einen Obolus! Wieviel konnte ich nicht erkennen.
Der Ablauf der Zeremonie war etwas ungewöhnlich, das Salz musste vorher aus einem Dekolleté gelutscht werden, dann wurde das Getränk von einem anderen Mädel in den Mann geschüttet, und die Zitrone musste von den Lippen eines weiteren Mädels übernommen werden.
Daraufhin prägte Christel den nächsten Ausspruch:
„DU GEHST HIER NICHT ALLEINE RAUCHEN, DA GEH ICH MIT“
Aber das war noch nicht alles an dem Abend. Auf dem Weg zum Abendessen sahen wir die Truppe nocheinmal in eine Stretchlimousine einsteigen. Erleichterung bei uns……
Nach einem miesen Abendessen (im Gegensatz zum vorherigen Abend) machten wir uns nochmal auf eine Runde, und landeten wieder in der Brauerei zu einem Absacker.
Diesmal suchten wir einen Platz im Inneren, sehr großer Raum mit etlichen Nebenräumen, schön gemacht, und es gab viele Menschen. Aber wir schafften es ein Plätzchen zu finden, an einem Tisch wohl mit zwei finnischen Pärchen. So kurz vor 23:00 Uhr wurde die Musik lauter, auf einmal sprang eine 10-köpfige Tanzgruppe auf eine Freifläche, und ich dachte, ich wäre auf dem Oktoberfest!

Ein Teil der Tanztruppe
Und das Publikum wurde in den Auftritt einbezogen. Alle hatte einen Riesenspass, ich war einfach nur verwundert, ist ja auch genau meine Welt. Die Finnen neben uns waren gar nicht zu halten, der Alkohol hatte sein Übriges getan.
Und dann gab es live Musik, was den Stimmungspegel nochmals anschwellen liess! Bin ich denn in Willingen???
Total begeistert waren wir von der „Älteren Dame“, siehe Bild, geschätzte 88 Jahre. Als der erste Ton der Liveband erklang tanzte sie sofort und hatte einen Riesenspass.

Die Flotte Dame
Interessant war auch der Organist, so etwas hatten wir noch nicht gesehen:
Ihm fehlten am linken Zeigefinger und Mittelfinger jeweils die ersten zwei Glieder! Braucht man die????

Der Organist
Aber das störte ihn ncht und machte die Musik nicht schlechter. Hut ab!
Als dann die Finnen anfingen, auf Tischen und Bänken zu tanzen, war es Zeit zu gehen. Aus dem kleinen Absacker ist doch ein längerer Abend geworden, aber wir können ja aufstehen, wann wir wollen.
TOTAL SCHARF!