Wir hatten uns entschieden, die ehemals geplante Route über Daugavpils nach Vilnius zu ändern, denn wir müssen noch zu dem „Berg der Kreuze“ in Siaulai, was leider nicht direkt auf der ehemals geplanten Route liegt. Es wäre einfacher gewesen, während des Aufenthaltes in Riga dorthin zu fahren, haben wir aber nicht gemacht, ist so.
Deshalb haben wir uns auf dem Weg nach Vilnius für das Zwischenziel Sigulda entschieden. Von dort soll es dann vorbei an dem „Berg der Kreuze“ weiter nach Vilnius gehen, ein Trip von fast 400 km.
Sigulda soll nach Aussage der BAS sagenumwogen sein, ich kenne den Ort durch die Bobbahn, auf der auch Weltcuprennen für Bob und Rodel ausgetragen werden.
Die Fahrt von Tartu war für die ersten 80 km eine wunderschöne Motorradstrecke, bergig, Kurven, was will man mehr. Der Wind allerdings machte uns ganz schön zu schaffen, viele häßliche Böen, es war volle Konzentration angesagt.
Deshalb habe ich auch nichts von dem schönen Ort bzw. Gegend rund um „Otepää“ mitbekommen, einem bekannten Ort für Biathlon und Langlaufwettbewerbe.
Kaum über die Grenze von Estland nach Lettland wurde der Strassenbelag schlechter, selbst die als „A2“ Hauptverbindung nach Riga war grausig, Querrillen, ausgefahrene Spuren, viele Flicken, alles andere als ein Spassfaktor. Na ja, jedenfalls unsere Unterkunft „Villa Albrecht“ in Sigulda ist super:

Unser Hotel „Villa Albrecht“
Das Wetter war noch gut, ab in den Ort, ca. 1,5 km Kilometer entfernt von unserem Hotel.
Der Ort ist schon ein bisschen enttäuschend (kennen wir schon aus Oberhof), eigentlich ist dort bis auf zwei Cafes, zwei Hotels und einem Supermarkt und ein paar kleineren Geschäften nicht mehr viel, alles sehr weitläufig. Wieder absolute Ruhe. Na ja, wir haben uns im Supermarkt mit etwas zu essen eingedeckt, und waren früh zu Bett.
Der Startturm der Bobanlage ist auch nicht so prickelnd, die Abgrenzungsmauer scheint auch sanierungsbedürftig.

Startturm der Bobbahn
Unser Plan war, nur zwei Übernachtungen zu machen, aber die Wettervorhersage hatte für den Samstag nur grausames Wetter mit viel Regen angesagt, sowohl für Sigulda als auch für Vilnius, muss man nicht haben! So haben wir in Sigulda um eine Nacht verlängert, und auch das schon gebuchte Apartment in Vilnius konnten wir um einen Tag verschieben, alles Bestens.
Heute haben wir dann die s.g. Sehenswürdigkeiten von Sigulda abgearbeitet, wobei das „Neue Schloss“ und das dahinterliegende „Alte Schloss“ sehr interessant waren. Das „Alte Schloss“ ist zwar eine Ruine, aber sehr schön restauriert.

Das „Neue Schloß“
Der Burghof ist zu einer Open-Air Bühne ausgebaut, in dem regelmäßig Opernaufführungen stattfinden, stellen wir uns sehr spannend vor. Ein Wachturm ist bis zur Spitze zu begehen, für Behinderte wurde sogar ein Aufzug eingebaut. Wir sind zwar nicht behindert, haben ihn trotzdem benutzt 🙂
Unser Weg führte uns weiter zu der einzigen in Lettland existierenden Seilbahn, die das Tal der „Gauja“ überquert. Eine Verbindung von Sigulda nach Krimulda, mit einem schon von Weitem gut zu erkennenden prachtvollen Gebäude.

Gondel über das Tal der Gauja
Irgendein Ritter oder wer auch immer hatte sich dort eine Herberge angelegt, mit Gesindehaus, einem Schweizerhaus, Stallungen für Pferde und Kutschen, einer Destille und Kräutergarten etc. Sehr verheissungsvoll .
Und dann waren wir da.
Die Nebengebäude sind noch bewohnt, aber alle sind wohl kurz vor dem Verfall, und das als Prachtbau erkannte Gebäude entpuppte sich als renovierungsbedüftiges Sanatorium, welches noch als orthopädisches Rehazentrum in Betrieb ist. Von aussen schon fragwürdig, aber ein Blick ins Innere löste bei schon wieder Beklemmungen aus, alles eng, erdrückend, da möchte ich nicht hin. Und wir haben so schnell wie möglich den Rückweg mit der Gondel angetreten. Eine einzige Enttäuschung!!!
Wobei man festhalten muss, es gibt hier schon einige wunderschöne Villen, die sind allerdings in so kleinen Nebenstrassen. Und in einer Stadt von knapp 4.000 Einwohner haben wir schon mindesten 5 Kindergärten gesehen, alle mit einem Riesenareal zum Spielen angelegt, hier haben die Kinder bzw. deren Betreuung eine andere Gewichtung als bei uns.
Und seit 16:00 Uhr regnet es, wir haben wohl die richtige Entscheidung getroffen, hier noch einen Tag zu verlängern 🙂 … – wegen des Wetters