18.05.2017 – Heute mal mit Senf

Nach 2 Tagen stressfrei bummeln durch die überschaubare Altstadt von Santiago de Compostela, wo sich zu den etwa 96.000 Einwohnern nicht nur Pilger sondern auch noch ca 46.000 Studenten tummeln. Eine tolle Atmosphäre, die sich gut ergänzt. Essens- und Übernachtungspreise sind moderat, die Bausubstanz besser erhalten als in Portugal; aber es ist eine fruchtbare Gegend: aus allen Mauerritzen an Gebäuden, Dächern, Treppenstufen usw wachsen Blumen!!!!!

Ein Highlight war der heutige Marktbesuch. In den Hallen sehr gepflegte reichhaltige Stände mit Fleisch, Fisch, Käse u.ä.
(Besonders ging mir als „Vegetarier“ das Herz auf).
Nach der Enttäuschung in Porto war es eine Augenweide. Draußen vor den Hallen befanden sich noch alte Bäuerinnen, die ihre eigenen Produkte anboten, teils in Schubkarren, es wirkte äußerst autentisch. Ansonsten darf mein Reinhard wieder mit mir in die Kirchen und neue Energie tanken, wobei die Kirchen sich doch stark wiederholen. Heute , am Donnerstag, füllt sich die Stadt mit vielen Pilgern (Wanderer u. Radfahrer), die morgen um 12.00h an der legendären Pilgermesse mit Weihrauchschwengel teilnehmen wollen. Ich hoffe, wir ergattern noch ein Plätzchen und können die gesamte Messe mit Weihrauch bis zum Ende verfolgen.
Zeit für  ein paar subjektive Eindrücke – mit und ohne Senf -!!!
1. Die IKEA-Kultur hat die Iberische Halbinsel voll erfaßt. Jeder auch nur etwas größere Ort weist seinen eigenen Markt am Stadtrand auf. Folglich sind auch die Ferienwohnungen IKEA-Vollausstattung, von der Lampe über Besteck bis hin zur gießfreien Blume. Alles wohlbekannt.
2. Die Pilgerkultur scheint sich seit dem Mittelalter nicht groß verändert zu haben: Wein, Weib, Tanz und Gesang sind nach wie vor hoch im Kurs; als wir nämlich bei der Anreise kurz vor Santiago waren, reihte sich ein Nachtclub an den nächsten, das waren wir aus dem katholischen Spanien/Portugal bisher nicht gewohnt. Naja, – wenn man nachher sowieso den Ablaß erhält, kann man vorher noch mal richtig …..
3. Die Öffnungszeiten für Kneipen und Geschäfte, sollte es sie überhaupt geben, erschließen sich uns Mitteleuropäern nur schwer. Daß es so gut wie keine Öffnungszeiten an den Türen gibt, hat seinen Grund. Die Aussagen wie „Die Küche hat schon geschossen“ oder „Der Chef entscheidet, wann wir schließen“ klingen sehr willkürlich. Am 2. oder 3. Tag entdeckt man plötzlich auf altbekannten Wegen völlig neue Geschäfte, die vorher noch nie ihre Rolläden geöffnet hatten. Also auf keinen Fall sollte man versuchen, ein bekanntes Geschäft oder eine Kneipe erneut aufzusuchen, denn es könnte sein, dass es schon geschlossen ist – oder noch gar nicht auf hat – oder heute überhaupt nicht öffnet! 🙁  Also lieber spontan entscheiden: sieht gut aus, geh ich rein!!! Der Rest könnte zu einer Enttäuschung führen.
Ach ja, und da war dann noch die Sache mit den Ohrstöpseln….. (Konnten wir uns doch noch an Riga erinnern, wo gegenüber des Hotels ein Heavymetal Club war, der bis 6.00h morgens laute Musik verbreitete, deshalb gab es Ohrenstöpsel). Aber doch hier nicht????  

Der Nachschub ist gesichert…aus dem Fenster winkt die BAS

Doch!!!   Genau unter unseren Fenstern erwachten gegen 23.00h mal 1, mal 4 Musikkneipen, wo die Gäste draußen bis 1.00h an Tischen und Stühlen plauderten, danach war Polizeistunde (d.h. Alles wurde weggeräumt) aber die Unterhaltungen und die Musik ging weiter bis  ca 3.00h. Naja, wer tagsüber viel unterwegs ist, der kann auch dabei schlafen, mit oder ohne Ohrstöpsel.
Das mit den launigen Öffnungszeiten hat sich bisher auf der ganzen Tour durchgezogen, ob Andalusien, Portugal oder jetzt hier. Ist wohl dem Südeuropäer in die Wiege gelegt. Und wir diskutieren über 2 oder 3 offene Sonntage im Jahr!? Mit etwas mehr Leichtigkeit im Gemüt regelt sich alles von selbst….
4. Zu unseren ausgeprägten Spanisch- und Portugiesischkenntnissen gesellt sich jetzt noch Galizisch hinzu. (Demnächst noch Baskisch). Da freuen wir uns besonders an der uns lieb gewordenen Tapasbar über unsere Translater-App im Handy. Wir sind schon ein eingespieltes Dreigestirn: Christel liest in der Karte, Reinhard tippt ein, Handy übersetzt. 🙂 Solange wir kein „Weißes Pferd“ bestellen..(siehe Sevilla) . Aber selbst das würde hier vermutlich schmecken – und das Preis-Leistungsverhältnis ist optimal. Man kann viele verschiedene Kleinigkeiten nacheinander essen bis man satt ist, was will das Herz mehr???
5. Erwähnenswert finde ich außerdem – und das bezieht sich auf Spanien genauso wie auf Portugal – mit welchem Patriotismus und Stolz die Einwohner ihr Land, ihre Kultur und ihre Eigentümlichkeiten vertreten und auch darbieten, ich denke da an Flamenco, Stierkampf, Fado oder Demonstrationen für den Erhalt der Galizischen Sprache. Uns fehlt da oft die notwendige Lockerheit.

 

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